Fotos: Dr. Karin Rasmussen, Saskia-Marjanna Schulz, Alexandra Gräfin Dohna

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Sonntag, 13. Oktober 2013

Lichter der Hoffnung

Liebe Lilli,

Herzlichen Dank für Deine Geduld. Beinahe hätte ich es nicht geschafft, Dir pünktlich zum Wochenende zu antworten: 

Es passiert manchmal so Vieles gleichzeitig, dass man ich erst mal sortieren muss. Und dabei bleibt gelegentlich die eine oder andere Aufgabe auf der Strecke, obwohl sie wichtig ist. Danke, dass Du mich erinnert hast. Und das, obwohl Du selbst auch gerade schwer beschäftigt bist und Dich auch noch auf Reisen befindest! Sicher haben unsere LeserInnen auch Verständnis, wenn mal eine Antwort etwas später kommt. Ich bin Ihnen, liebe LeserInnen, auch dafür dankbar, dass Ihr Interesse nach wie vor anhält, sogar wächst und wir auch immer wieder neue LeserInnen begrüßen können.

Das ermutigt zum Weitermachen, obwohl die Zeit gerade jetzt oft seeeeehr knapp wird. Im Herbst ist nach dem Sommer scheinbar jeder mit besonders viel Energie geladen und es entwickeln sich bedeutende Ereignisse ziemlich gleichzeitig.

In Syrien gibt es eine ermutigende Entwicklung – die Bereitschaft, sich der internationalen Chemiewaffen-Kontrolle zu unterwerfen zeigt, dass die Reaktion der Weltöffentlichkeit nicht ohne Wirkung bleibt. Auch wenn vielleicht mit markigen Worten und starrköpfigem Beharren auf der eigenen Position zunächst ein anderer Eindruck erweckt werden soll. Gut, dass dank der neuen Medien immer mehr Menschen ihrem Friedenswillen Ausdruck geben können und dies auch tun. Wie verschieden sie auch sein mögen und welcher Religion sie angehören (oder nicht), es ist eben ein allgemeiner Wunsch der menschlichen Gattung, Frieden und Freiheit zu erringen. Auch wenn es noch so mancher politischer Aktionen bedarf, bis dieses Ziel erreicht wird – je mehr Menschen beteiligt sind, umso näher kommen wir einer wahrhaft humanistischen Weltkultur.

Apropos Kultur: Ein Grund, warum ich heute mit Verspätung schreibe, ist das „Festival of Lights“ hier in Berlin. Ich wollte Dir unbedingt ein paar schöne Fotos senden. Leider bin ich erst gestern Nacht dazu gekommen, diese Aufnahmen zu machen. Nun also:
Berlin grüßt die Welt mit/im Licht – als Zeichen der Hoffnung und des Glücks. Trotz strömenden Regens und eines beeindruckenden Herbstgewitters waren Tausenden unterwegs, um dieses Ereignis gemeinsam zu feiern.[1]





© bei Karin Rasmussen


Vielleicht sind es auch solche Bilder, die den Menschen immer wieder die Hoffnung erhalten und ihren Mut stärken: Es sind viele, die gemeinsam Freude haben. Und die Kreativen, die uns solche Erlebnisse erschaffen, können nur im Frieden wirken. Für derartige Aktionen sind Energie, Geld und Geist doch viel sinnvoller eingesetzt, als für Krieg und Streit.





© bei Karin Rasmussen


Es waren hier viele Nationalitäten, alle Altersgruppen und ganz bestimmt eine Vielzahl religiöser Orientierungen versammelt – mit lächelnden, glücklichen Gesichtern. Das Gedränge war riesig, die meisten Fotos gelangen erst nach mehreren Versuchen (nicht nur wegen des schlechten Wetters, sondern oft auch, weil ein anderer im Weg oder im Bild stand) und dennoch waren alle fröhlich, rücksichtsvoll, geduldig. Eine tolle Erfahrung, dass so etwas auch über mehrere Stunden gelingen kann.

Es gab übrigens auch eine Licht-Installation mit unserem verehrten Einstein – aber dieses Bild ist mir leider nicht gelungen. Nun gut, ohnehin zitieren wir ihn ja oft als Beispiel für geistige Größe und sein Bild ist wahrscheinlich weltweit eines der bekanntesten. Da aber gerade wieder die Nobelpreisträger[2] in allen Disziplinen beweisen, was kluge Köpfe bewirken können, durfte natürlich auch Einstein nicht fehlen.

Und selbstverständlich kam auch der Dom nicht zu kurz, die Kunst wurde gewürdigt – einfach alles, was das Leben wertvoll und schön macht und die menschliche Schaffenskraft würdigt, fand beeindruckende Darstellung. Ich hoffe, liebe Lilli, dass auch Dir diese Bilder viel Freude machen und Dich ein wenig über meine verspätete Antwort hinwegtrösten können.

Denn Bilder sind ja auch im Coaching eines unserer wichtigsten Hilfsmittel um andere zu verstehen und selbst verstanden zu werden. Und damit bin ich in meinen Gedanken schon wieder bei ANNA.

Die konkrete ANNA macht sich (und mir) im Moment das Leben ein wenig schwer: Immer wenn wir auf ihre Ziele, Wünsche und Träume zu sprechen kommen, liefert sie wunderbare Bilder! Und gleich danach kommt ein riiiiisieges ABER!!!

So, als wage sie es nicht, ihre eigenen Gedanken ernst und wichtig zu nehmen. Als müsste sie jeden Gedanken der ihr Freude macht, durch eine Angst oder eine Schwierigkeit relativieren, alles Positive mit etwas gleichgroßem Negativen bilanzieren. Was dabei übrigbleibt, ist eine graue Nullsumme. Und das führt dazu, dass sie sich für keinen ihrer Träume oder Wünsche entscheiden kann, aus keinem ein Ziel abzuleiten imstande ist. Dieser Prozess dauert nun schon einige Wochen. Und meine Bitte, sich auf die Bilder der Hoffnung und des Mutes zu konzentrieren, wird nur sehr zögerlich befolgt. Es wird noch einige Geduld brauchen, bis die „ABER“s kleiner werden. Bei genauerer Betrachtung handelt es sich bei diesen „ABER“s zwar um überwindbare Herausforderungen, aber sie verschwinden eben nicht von allein. Und das Selbstvertrauen, dies in Angriff zu nehmen und so nach und nach mit jeder dieser Schwierigkeiten fertig zu werden, kommt auch nicht über Nacht. Das ist zwar verständlich nach Jahren des Selbstzweifels (und der Verzweiflung), aber daran führt nun mal kein Weg vorbei.





© bei Karin Rasmussen


Zum Glück hat ANNA jetzt schon neue Freunde gefunden und auch erste Erfolge in ihrer neuen Arbeit. Es sind erste Erfolge – es ist also genau wie Du schreibst: „Erst stehen sie mit einem bunten Strauß von Wünschen, Problemen und Zielen vor der Tür. Wir sortieren dann, wo wir anfangen können. Und dann stehen wir mitten in dieser Herausforderung mit diesen bewundernswerten Menschen, die den Mut und Willen haben, ihr Leben zum Besseren zu wenden.“ Wir sind also mitten im Sortieren – und im Ermutigen. Ich bin sehr froh, dass ANNAs neue Freunde diese Arbeit unterstützen, obwohl sie (jedenfalls die meisten von ihnen) gar nichts über mich und meine Coaching für ANNA wissen. Es gibt ja meistens im Leben unsichtbare Helfer. Die Licht-Künstler von „City of Lights“ und „Berlin leuchtet“ gehören ohne es zu wissen auch dazu. Und sie wirken weit über Berlin hinaus.[3]

Auch ANNA bekommt natürlich solche Bilder von mir – und vielleicht antwortet sie dieses Mal mit weniger oder ganz ohne ABER. Danke übrigens für Dein Zitat von Mark Aurel! Ich verwende es auch öfters - denn ich bin überzeugt, dass man bei den meisten Menschen gar nicht tief graben muss, um die Quelle des Guten zu finden.[4] Und wenn ANNA angefangen hat zu glauben, dass es ein natürliches Recht auf das individuelle Glück und die eigene Erfüllung gibt – dann wird auch sie belohnt. Genau wie Du bin ich davon überzeugt, dass es auch für ANNA noch ein richtig gutes Leben geben wird! Ich bin froh und stolz, wenn ich dazu ein kleines bisschen beitragen kann.




© bei Karin Rasmussen


In einigen nächsten Schritten werden wir gemeinsam üben, wie ANNA erfolgreich streiten kann, statt immer wieder verzweifelt nachzugeben. Denn „der Klügere gibt nach“ ist manchmal eine große Dummheit, öfter noch einfach Hilflosigkeit. Und genau so wie um Frieden und Freiheit auch ohne Gewalt gerungen werden kann, können mit der richtigen „Streit-Technik“ viele Konflikte auf klügere Art gelöst werden.[5]

Liebe Lilli, ich wünsche Dir sehr, dass Du bei Deiner Arbeit auch weitergenau so viel Freude und Erfolg hast, wie Du sie in den Briefen Deiner früheren Coachees gefunden hast. Und ich freue mich darauf, etwas über Deine Erfahrungen von Deiner jetzigen Reise zu lesen.

Ich umarme Dich und wünsche Dir immer neue Hoffnungslichter.

Alles Liebe, Deine Karin