Fotos: Dr. Karin Rasmussen, Saskia-Marjanna Schulz, Alexandra Gräfin Dohna

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Sonntag, 2. März 2014

Wie die belohnt wurden, die an „Wunder“ glaubten

Liebe Karin,

Du hast wieder so eine wunderschöne Mail geschrieben. Dafür danke ich Dir. Du hast so treffend die Worte für Deine Freundin gefunden. Ich sah ihr Leben und Wirken vor meinem geistigen Auge. Ein Glück, dass es ihr jetzt gut geht.


Danke für Deine Erinnerung: „Glücklich kann keiner werden, der dafür nicht selbst die Verantwortung übernimmt.“


Ich hatte auch Glück. Gleichwohl nicht direkt als Glück erkennbar – und das kam so: Manchmal läuft das Leben anders als geplant. Da habe ich vor Wochen versucht, mir das Schlafen bis auf 1 bis 2 Stunden abzugewöhnen – erst ging es gut - und dann wurde ich  vom Leben ganz schön ausgebremst. Da halfen dann auch keine Meditationen, Pillen, Salben – keine Visualisierung und keine guten Worte. Erst streikte mein linker Arm – kaum genesen, wollte der rechte Arm nicht mehr. Und so wurde ich in einen unfreiwilligen Urlaub geschickt, aus dem ich mich nur langsam wieder hinausbewege. Du bist die erste, der ich antworte. Nun, ja. Antworten ist ein wenig übertrieben, denn noch immer kann ich nur wenige Minuten Arm und Hand bewegen. Und dann die Schmerzen bei Tag und Nacht. Aber immerhin kommt hier ein erstes Zeichen.

Wieso ich damit Glück hatte?

Ein Arzt, nennen wir ihn Frank,  hier aus der Nachbarschaft meinte ähnlich wie ich: ein paar Stunden Schlaf – das reicht schon. Schliesslich gibt es so viel, dass zu tun ist: Arbeit, Familie, Freunde, Fortbildung, Ehrenämter – Du weisst schon. Tja. Und dann ist er einfach so umgefallen. Wir hofften: nur in Ohnmacht oder dass es ein kleiner Schwächeanfall wäre. Aber es ist wirklich ernst mit ihm: Er liegt im Koma. Und sollte Frank je wieder wach werden, wird er für immer gepflegt werden müssen.

Ein Warnschuss.

Aber kommen wir zurück zu unseren Mails. Wir sind ja auf der Zielgeraden „Abschluss von Prometheus‘ Lobby‘“[1] und mein Gedanke war, die Themen, die mir besonders wichtig sind, anzusprechen. Über das Glück[2] sprach ich beim letzten Mal. Dieses Mal habe ich die Ziele im Blick. Denn Ziele sind ein ganz besonderer „Stoff“ in unserem Leben. Ohne Ziele können wir ganz schön hilflos sein – oder wie Abraham Lincoln sagt: „Wer im Leben kein Ziel hat, verläuft sich.“ William Shakespeare formulierte in seinem "Heinrich VIII" gleich eine Ziel-Empfehlung für das Leben: "Handle recht, nichts fürchte; Dein Ziel sei immer Ziel auch deines Landes, Wie deines Gottes und der Wahrheit."

Dabei ist das gar nicht so einfach: Was sind Ziele? Sind es Wünsche? Oder Träume? Visionen? Mit den Zielen haben manche Hochbegabte ihre liebe Not. Sie klagen dann, dass sie sich mit ihren Zielen unsicher fühlen: die Ziele, die sie setzen, sind oft zu klein, selten zu gross – und vor allem: Ziele machen sie unsicher. Du weisst schon, dass ist wie im Umgang mit den anderen Menschen: sich lieber klein machen, um nicht anzuecken oder ausgelacht und verspottet zu werden. Mein Vater war z.B. in den Augen der anderen Menschen der Mann, der immer die „karierten Maiglöckchen“ suchte – und auch oft fand. Wenn die anderen lachten – lachte er einfach mit. Nicht jeder Hochbegabte kann das lustig finden – und so gibt es oft „Ziel-chen“ anstatt Ziele.


Foto: Saskia-Marjanna Schulz


Machen wir es uns einfach.
Wie?
Einfacher ist es, wenn wir über Reiseziele sprechen.

Da haben wir Ahnung und Routine. Einfach im Reisebüro oder online die Reise buchen – das kann heute jeder. Da gibt es die schönen Bilder, die einfach Appetit machen. Dann müssen wir nur noch den richtigen Preis und die Zeit rausfinden – und dann erfahren wir, wann und wo es losgeht.

Und für unser Leben? Wo gibt es da das „Reisebüro“ mit den schönen Bildchen? Wo kann man da die Ziele buchen?

Leider habe ich oft erlebt, dass sich die Menschen mehr Gedanken über ihre Urlaubsziele als über ihre Lebensziele machen. Verständlich, denn wer hilft schon dabei, die Lebensziele zu finden. Jetzt wirst Du lachen: ein Coach natürlich! Was aber machen die Menschen, die (noch) nicht zu einem Coach gehen wollen?

Ich habe da etwas Feines entdeckt. Ein Kleinod für Feinschmecker: einen Vortrag von einem Trainer, der Orientierung, Motivation und Hilfestellung für die eigenen Ziele gibt: Marc A. Pletzer[3]: Hier gibt es ein paar Einblicke[4].

Wie finde ich mein Ziel? Oder besser gesagt: wie finde ich aus all meinen Wünschen und Träumen die wichtigsten Ziele? Gewiss, es gibt da einige Hochbegabte, die wussten schon im Kindergarten oder spätestens in der Grundschule, was für sie einmal ganz besonders wichtig sein würde – wie z.B. Wernher von Braun, der schon als kleines Kind wusste, dass er zum Mond wollte. Und wir anderen? Wie finden wir unsere Ziele?

Eines der Probleme ist, dass wir oft denken: das geht nicht. Oder: wie soll das gehen – habe ich doch Expertisen von Fachleuten, dass das, was ich will nicht möglich ist. Klar – was soll man da noch weiterdenken? Oder planen? Gleichwohl: wer am Ball bleibt, kann nicht selten, sein blaues Wunder erleben.

Ich möchte Dir dazu eine kleine Geschichte erzählen, die ich selbst erlebt hatte: Vor ein paar Jahren kam eine von den „verheissungsvollen“ Jung-Managerinnen eines grossen Konzerns zu mir. Nennen wir sie Kristin. Sie sagte von sich selbst, dass sie so ziemlich alles erreicht hat, was sie sich je gewünscht hat. Doch jetzt sei sie in einem Stau angekommen und wisse nicht, wie es weiter gehen könne. Irgendwie finde sie kein neues Ziel und auch keine Motivation nach einem Ziel zu suchen.

Irgendwie „wusste“ ich, dass hier etwas nicht stimmt. Aber was? Ich verliess mich auf meinen „detektivischer Spürsinn“, den ich von meinem Vater geerbt hatte – und hörte einfach weiter zu. Sie erzählte von den grossartigen Chancen und Möglichkeiten in ihrem Unternehmen und wie man Kristin von allen Seiten unterstützen würde. Selbst die „gläserne Decke“ sei in ihrem Umfeld für Frauen unbekannt.

Wo andere Frauen nun jubeln würden – hatte sie nur ein müdes Lächeln.

Und dann „wusste“ ich es: „Und was ist mit Ihrer Familienplanung?“, fragte ich sie. Stille. Und dann begann sie langsam an zu weinen.

Kristin erzählte mir, dass sie keine Kinder bekommen könne. Dies habe sie sich von zwei „ganz hervorragenden“ Ärzten bescheinigen lassen müssen.

Alles erreicht – und dann auch noch Kinder? Das wäre ja auch zu viel des Glücks, sagte sie sich. Das kann ja kein Mensch ertragen. Nö?

Natürlich wollte – und konnte – ich das Ergebnis der Ärzte nicht anzweifeln. Aber ich konnte ihr meine bzw. unsere Geschichte erzählen:

Denn auch ich kannte eine Frau, die keine Kinder bekommen konnte. Nach acht Jahren Ehe und vielen Ärzten immer noch kinderlos – meine liebe Schwägerin Alice hatte eine Odyssee von Leid und Enttäuschungen erlebt. Bis zu dem Tag, an dem ich mit ihr zur Mutter Meera[5] gefahren bin. Den Tipp hatte ich von einer politischen Journalistin, die wie ein wandelndes Lexikon fasst alles kennt und fast alles weiss.

Sie sprach von Mutter Meera beinahe wie von der Leiterin eines Wellness-Instituts. Doch weit gefehlt: Diese zarte schöne Inderin, die nun in Deutschland lebt, wird als eine Avatara bezeichnet. Sie empfängt mehrmals in der Woche[6] ein paar hundert Menschen aus aller Welt. Gut und schön – aber wie sollte sie meine Schwägerin „heilen“ können? Ich musste schon sehr viele Zweifel überwinden, es Alice zu erzählen. Diese jedoch – in Düsseldorf, Kairo und London aufgewachsen – nahm es ganz locker und war sofort begeistert.

Es war für mich ein grossess Abenteuer Mutter Meera zu erleben. Das grösste jedoch kam sechs Wochen später: Alice war  schwanger. Und mein Neffe Alexander war und ist gesund und munter.

Die Ursachen, die dazu führen, nicht schwanger werden zu können, können vielfältig sein. Deshalb fragte ich mich: wird Mutter Meera auch Kristin helfen können? Ich entschied mich, diese Frage Kristin zu überlassen. So  erzählte ich ihr von meiner Schwägerin – und wir verabredeten uns zu einem neuen Termin nach den Sommerferien.

Als wir uns wieder sahen, strahlte sie. Einfach nur gute Laune? Oder auch neue Hoffnung? Sie hatte meine Erfahrungen mit ihrem Mann besprochen … und … und jetzt war sie schwanger! Und die Freude riesengross.


Foto: Saskia-Marjanna Schulz


Kristin erkannte, dass sie keine neuen Ziele definieren konnte, weil sie einen besonders grossen und wichtigen Wunsch nicht bis zu Ende gedacht hatte. So hat sie sich selbst blockiert. Und auch wieder befreit. Oft machen wir uns mehr Sorgen als nötig. Manchmal erkennen wir dies – und manchmal gönnen wir uns auch die (Er-)Lösung.

Liebe Karin, ich habe gerade jetzt in der Zeit der Beschränkungen erkennen dürfen, dass ich andere Lösungen in meinem täglichen Leben finden muss – und so habe ich Erkenntnisse gewonnen, die ich mir in meinen kühnsten Träumen zuvor nicht vorstellen konnte. Ich musste neu denken, ich musste anders handeln – nun wirst Du sagen: für Hochbegabte ist dies doch eine Heimspiel. Schon richtig. Aber auch Menschen mit einem hohen IQ können schon mal in der Sackgasse landen. Und dann brauchen wir andere Impulse, um da wieder rauszukommen.

Ich habe viel gelernt – ja, es hat sehr weh getan an den Händen und Armen – aber ich möchte die Erkenntnisse nicht mehr missen. Und ich habe immer wieder an Deine Worte denken dürfen: „Ich glaube, dies ist der alles entscheidende Kern von Glück: Nicht was wir „kriegen“, sondern was wir bewusst geben können, macht uns glücklich.“


Foto: Saskia-Marjanna Schulz

Aus dem organisierten Rheinischen Frohsinn sende ich Dir Sonnenschein – und hoffe, er möge Dich bei bester Gesundheit erreichen.

In liebevoller Umarmung,
Deine Lilli

Sonntag, 8. Dezember 2013

Ein Glück, dass es DICH gibt

Liebe Lilli,

Danke, dass Du uns alle an DAS Dauerthema schlechthin erinnert hast: Glück! Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit und zum Jahreswechsel hin wünschen wir uns das besonders oft auch gegenseitig. 

„Fröhliche Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr“ leuchtet uns von überall entgegen – und wir selbst richten diese gut gemeinten Wünsche an unsere Liebsten, an Freunde, Kollegen und Bekannte, ja sogar an Unbekannte – wie zum Beispiel an unsere stillen Leser. Und das ist auch gut so.
Du hast natürlich Recht: Mancher meint, beim Glück bisher zu kurz gekommen zu sein.

Und natürlich gibt es immer wieder Situationen, in denen wir mehr Unglück als Glück empfinden. Gerade jetzt geht es weltweit vielen Menschen gar nicht gut – sie können nicht so recht glücklich sein: Mit Nelson Mandela  ist einer der ganz Großen von uns gegangen.[1] Und obwohl die Menschheit wirklich glücklich sein könnte, dass es ihn überhaupt gegeben hat, dass er unter uns weilte und die Welt ein wenig besser gemacht hat, will und kann sich Angesichts der Trauer um seinen Tod kein Glücksgefühl einstellen. Aber auch das ist gut. Denn wenn wir Unglück, Trauer oder Leid nicht mehr empfinden würden – was wäre dann das Glück noch wert?


© Karin Rasmussen

Zum Beispiel das Glücksgefühl, das wir über eine richtig gute Nachricht empfinden können: „Ihre schwere Operation ist erfolgreich verlaufen, Sie werden wieder vollständig gesund!“ Wer würde bei dieser Nachricht herum maulen: “Es wäre besser gewesen, wenn ich erst gar nicht krank geworden wäre“? Gerade gestern habe ich eine meiner tapfersten Freundinnen im Krankenhaus besucht. Mit leuchtenden Augen und strahlendem Lächeln begrüßte sie mich vom Krankenbett aus, voller Freude, mir diese gute Nachricht ihres Arztes weitergeben zu können. Du kannst Dir denken, wie froh auch ich sofort war. Ich hatte mir wirklich große Sorgen gemacht, ja richtig Angst um sie gehabt. Wir kennen uns seit fast 20 Jahren. Damals saß sie schon einmal mit leuchtenden Augen vor mir. Es war ein Seminar, bei dem es um die mitreißende Wirkung charismatischer Führungskräfte ging. Die Gruppe war eher skeptisch, ob man solchen „Typen“ vertrauen dürfte. Aus den Erfahrungen der deutschen Geschichte war diese Skepsis zwar verständlich – nur die Schlussfolgerung, ohne Charisma mehr erreichen zu können,  war ganz offensichtlich auch falsch. Und plötzlich explodierte mitten aus der Gruppe heraus eine kleine zierliche, exotisch aussehende Frau. „Ich weiß genau, was Sie meinen: bei uns in Ägypten haben Frauen keine öffentliche Stimme. Sie werden gar nicht wahrgenommen, stehen im Schatten der Männer und können kaum selbst für ihre Rechte eintreten. Wenn es mutige Frauen gäbe, die öffentlich auftreten würden und so eine mitreißende Ausstrahlung hätten, dann würden bestimmt ganz schnell viele andere Frauen diesem Beispiel folgen. Ich habe hier in Deutschland erlebt, was Frauen bewegen können. Und ich möchte, dass auch in meiner Heimat die Frauen genau so selbstverständlich wie hier eine gute Bildung und qualifizierte gut bezahlte Arbeit bekommen. Und dass sie für sich selber sorgen können. Und ich bin überzeugt, dass wir dafür eigene Vorbilder brauchen. Es muss auch bei uns Frauen geben, die ihr Charisma für mehr einsetzen als nur für die Suche nach einem guten Ehemann. ....“ Als wäre sie vor sich selbst erschrocken, hielt sie inne. Und dann begann die ganze Gruppe praktisch zu toben. Es gab lauten Beifall, begeisterte Zurufe, einige sprangen auf und umarmten sie – wir mussten erst mal eine Pause einlegen.

Als wir unser Seminar dann fortsetzten wurde klar, was alle so mitgerissen hatte. Es war dieser unerwartete Auftritt einer ansonsten eher stillen und unauffälligen Frau – ihr Charisma war sichtbar, spürbar geworden. Sie selbst hatte bis dahin gar nicht gewusst, wie viel Kraft sie ausstrahlte.

Heute bin ich sehr froh darüber, das damals unmittelbar erlebt zu haben. Denn ohne diesen Ausbruch hätten wir uns vielleicht aus den Augen verloren. So aber wurden wir Freundinnen. Und ich konnte miterleben, wie sie im Arabischen Frühling erneut mit leuchtenden Augen und jetzt ganz absichtlich ihre mitreißende Ausstrahlung einsetzte. Für ihre Frauenprojekte in Kairo  hat sie Mitstreiterinnen und auch männliche Mitstreiter gefunden. Mit Hartnäckigkeit und Geduld hat sie Partner und Helfer um sich geschart, die alleinerziehenden Frauen legale Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen. Damit können sie ihren Kindern eine bescheidene Sicherheit bieten. Denn unverheiratete Mütter gelten in Ägypten wenig, egal ob sie verwitwet sind oder verstoßen wurden – wenn sich kein Mann für sie findet, droht ihnen und ihren Kindern das blanke Elend. Sie werden besser akzeptiert, wenn sie mit zum Einkommen der Großfamilie beitragen oder ganz für sich selbst sorgen können.
 

© Karin Rasmussen

Und meine Freundin? Manchem erscheint sie vielleicht gefährlich, wild, unweiblich. Doch das ist sie nicht. Sie ist immer noch zierlich, wunderschön, exotisch. Und sie ist das Vorbild, die Stimme dieser Frauen – sie verhandelt mit Geschäftsleuten, mit Handwerkern und Ärzten, mit jedem, der helfen kann. Sie mobilisiert ihre internationalen Freunde. (Wie wunderbar, liebe Lilli, dass Du schon früher auch von Kairo geträumt hast – eine weitere Gemeinsamkeit zwischen uns!) Und sie lehrt die Frauen Lesen, Rechnen, Selbstbewusstsein und Mut. Sie erklärt ihnen die ägyptische Revolution. Sie hilft ihnen zu verstehen, welche politischen Kräfte sich gegenüberstehen. Und sie engagiert sich für ein demokratisches Ägypten. Das ist zurzeit gar nicht ungefährlich. Es kostet viel Kraft. Leider hat es sie zu viel Kraft gekostet. Sie ist schwer krank geworden. Doch statt sich selbst leid zu tun und ihr Unglück zu beklagen, bedauert sie die Unterbrechung ihrer Arbeit. Und ist glücklich über die gute Nachricht ihres Arztes. Sie sagt mir: „Was für ein Glück, dass ich bald wieder an meine Arbeit kann. Ich will an einer Universität lehren, dafür bessere ich jetzt mein Englisch auf. Wir müssen ja auch international klar machen, was die ägyptische Revolution erreichen will.“ Ich kann sie nur bewundern. Und glücklich sein, so eine Freundin zu haben. Sie ist für mich so etwas wie „mein eigener Nelson Mandela“ – warmherzig, großzügig, selbstlos und gleichzeitig mutig und entschlossen. Wenn ich sie nach ihrem Glück frage, dann berichtet sie mir von ihrer Arbeit, von ihrer Familie und ihren Freunden. Ganz nebenbei erwähnt sie dann auch mal sich selbst und ihre Krankheit, aber nur kurz und nur auf Nachfrage. Sie ist glücklich über das, was sie tut. Ich glaube, dies ist der alles entscheidende Kern von Glück: Nicht was wir „kriegen“, sondern was wir bewusst geben können, macht uns glücklich. Das ist ja auch so eine uralte (Bibel-) Weisheit: Geben ist seliger denn Nehmen![2] Und meine Freundin gibt mir viel Kraft. Sie stärkt meinen Glauben daran, dass es viele gute Menschen gibt in der Welt, die für andere da sind und die froh sind, anderen etwas geben zu können.


© für das Foto über Karin Rasmussen[3]

Denn jeder von uns hat etwas zu geben! Allerdings glauben das leider viele Menschen noch nicht: Sie glauben es nicht von sich selbst und sie glauben es nicht von anderen. Du schreibst: „Viel zu viele Menschen laufen noch mit viel zu vielen Sorgen, Ängsten und Nöten durch die Welt – und wollen sich nicht helfen lassen.“ Warum wollen sie das nicht: Weil sie glauben, es gäbe keine Hilfe? Oder weil sie glauben, niemand wäre bereit zu helfen? Oder gar deshalb, weil sie niemandem mehr zutrauen als sich selbst – wenn ich selbst meine Probleme nicht lösen kann, dann kann das niemand? Du hast völlig Recht: Für viele Menschen gibt es diesen „inneren Link: UNERREICHBAR“! Das ist sehr schade, denn oft verbirgt sich dahinter nur so etwas wie Vergesslichkeit. Die Menschen vergessen einfach, was alles sie schon erreicht haben! Und es ist immer lohnend, sie daran zu erinnern. Ihnen bewusst zu machen, wie viel Kraft in ihnen steckt und wie viele Helfer es für sie gibt. Deine Erinnerung an Claudia, die Juristin aus München und ihre Trauminsel, auf der sie einst so glücklich war, ist ein gutes Beispiel dafür. Dass sie Dich eingeladen hat und dass Du mit ihr tatsächlich auf diese Insel gefahren bist, war für Euch beide so ein Stück von wiedergefundenem Glück – Du konntest Deine Sehnsuchtsinsel viel intensiver erleben als in Deinen Wunschträumen und sie konnte Dir etwas von ihrem Glück abgeben, ihre Traurigkeit überwinden. Und auch Kairo und Leipzig hast Du erlebt – und auch dort warst Du glücklich, weil Du anderen etwas geben konntest. Du hast nicht „Opfer“ gebracht, sondern Dir das Glück erlaubt. Ganz im Sinne von Marc Aurel: „Das Glück im Leben hängt von den guten Gedanken ab, die man hat.“[4] Und es stimmt, dass man dafür auch manchmal Geduld mit sich selbst haben muss. Dass man daran glauben muss, dass Unglück vergeht, dass man nach dem Unglück auch wieder Glück haben wird. Denn natürlich wollen alle Menschen glücklich sein – nicht immer, aber immer öfter!

Du sagst: „Wenn sich Menschen von ihren glücksfeindlichen Elementen in Körper, Geist und Seele befreit haben – dann wollen – und werden - sie glücklich sein können.“ Und: „Glück kann man lernen!“

Ja, und genau darum geht es ja auch in unserer Arbeit. Manchmal treffen auch wir – so wie Eckart von Hirschhausen – auf Menschen, die gern unglücklich sind und dennoch in der Hoffnung zu uns kommen, dass wir sie von ihrem Unglück befreien. Sie sind noch nicht so weit, dass sie es selbst tun können oder wollen. Wir sollen es für sie tun. Und dass sie mit ihren Sorgen zu uns kommen, sehen sie schon als ihren (ausreichenden) Beitrag an. Denn es hat sie Überwindung gekostet. Und sie wissen, dass auch wir es nicht umsonst tun, dass sie uns zuhören und uns auch bezahlen müssen – warum sollen sie also noch mehr leisten? Warum sollen sie nun auch noch einen anstrengenden, steinigen Weg der Veränderung gehen? Sie geben uns doch die Chance, sie glücklich zu machen. Aber damit geben sie uns auch die Verantwortung. Und das ist ihr Irrtum. Glücklich kann keiner werden, der dafür nicht selbst die Verantwortung übernimmt.


© für das Foto über Karin Rasmussen

Die Zitate, die Du von Alten und Sterbenden anführst, sind dafür beredter Beweis.[5] Wer sein Glück in fremde/andere Hände legt, vergibt sich selbst die Möglichkeit, glücklich zu werden. Nicht nur Lottogewinner machen diese Erfahrung. Sie hatten zwar „Glück“ – aber sind sie deshalb glücklicher? Vielleicht, wenn sie vorher Geldsorgen hatten, fühlen sie sich für eine Zeit lang glücklich, weil sie diese Sorgen erst einmal los sind. Und dann? Dann kommen neue Sorgen und Zweifel: Gehe ich mit dem Geld richtig um? Mögen meine Freunde wirklich mich oder doch nur mein Geld? Wie lange wird es reichen? Oder: Was werden andere jetzt von mir halten, werde ich mit Neid und Missgunst leben müssen? Darf ich zeigen, wie gut es mir geht?

Liebe Lilli, ich schließe mich Dir an: Reißen wir jetzt, wo wir leben, das Steuer herum: Gönnen wir uns ein erfülltes Leben! Fragen wir uns immer wieder, wie wir das Glück für uns finden können? Oder auch wo? Ja, vielleicht in Dänemark – dort habe ich schon viele glückliche Stunden und noch mehr glückliche Menschen erlebt: Gelassen, freundlich, hilfsbereit und zufrieden mit ihrem Leben. Sie alle hatten Freunde und Familien. Und alle taten sie etwas – für andere und für sich! So wie wir beide auch: Wir coachen,  weil es uns Spaß macht und Erfolg bringt – und weil es anderen nützt. Du hast natürlich Recht: Auch wir können nicht jedem helfen. Das wäre vermessen. Vielleicht helfen wir noch nicht mal jedem, der zu uns kommt. Denn auch wir haben Grenzen und auch für uns gehört zum Erfolg immer ein bisschen Glück. Aber – auch das ist Glück – es hat ja nicht jeder Mensch Probleme, nicht jeder ist unglücklich, auch nicht jeder Hochbegabte. Im Gegenteil. Wenn von den statistisch zu erwartenden rund 1,6 Millionen Hochbegabten in unserem Land und den etwa 1,3 Millionen Erwachsenen unter ihnen (auf die wir spezialisiert sind) nur 10% (= 130 000) mit Problemen zu uns und den anderen Hochbegabten-Coaches kämen, wären wir alle schon weit über unsere Lebenszeit hinaus schwer beschäftigt. Es ist also kein Ende abzusehen für den Job, der uns glücklich macht! Und dafür müssen wir nicht mal nach Dänemark. Jedenfalls nicht, um nach unseren Coachees zu suchen. Es gibt sie hier und sie finden uns auch hier – genau so wie wir unser und sie ihr Glück HIER finden können.


© Karin Rasmussen

Zur Erholung, Entspannung sowie für weitere Glücksmomente können wir ja trotzdem allein oder gemeinsam mit ihnen auch in andere schöne Gegenden dieser wunderbaren Welt reisen. Real oder in guten Gedanken. Es geht also weiter: Mit uns, mit dem Glück und bald auch mit unserem Gedankenaustausch. Hier ist ein Satz, der mir immer wieder, auch in Gedanken, bei jeder neuen Begegnung und erst recht bei der Bewältigung von Schwierigkeiten Kraft verleiht:
Es ist ein Glück, dass es Dich gibt!

Liebe Lilli, Ich wünsche Dir Glück, Muße um es zu genießen und viele liebe Menschen, die es mit Dir teilen.
Und ich umarme Dich,
Deine Karin


[1] http://www.spiegel.de/politik/ausland/nelson-mandela-nachruf-auf-den-held-der-freiheit-a-937504.html
 http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/nelson-mandela-nachruf
[2]http://bibel-online.net/buch/luther_1912/apostelgeschichte/20/
[3] Skulptur von Karl Ulrich Nuss aus dem Zyklus „Zehn Paare“ (2008)
  in der Skulpturenallee Strümpfelbach
[4] http://www.gluecksarchiv.de/inhalt/zitate.htm
[5] Ware, Bronnie: 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen. Einsichten, die Ihr Leben verändern   
  werden. 6. Auflage Verlag Arkana 2013 ISBN-13: 9783442341290
  http://www.welt.de/vermischtes/article13851651/Fuenf-Dinge-die-Sterbende-am-meisten-bedauern.html


Sonntag, 24. November 2013

Wie jeder Mensch das Glück finden kann

Ein Gedanke kann nicht erwachen, ohne andere zu wecken.
Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Liebe Karin,

welch ein Glück, dass Du so kluge Gedanken hast: „…spüre ich in mir den Drang, unseren Gedankenaustausch in eine andere Form zu bringen und damit auch gleich auf ein anderes Niveau zu heben.“

Mit unserem Mail-Austausch seit 2011 haben wir einen gemeinsamen Anfangspunkt gesetzt. Jetzt dürfen weitere Taten in einer anderen Form folgen. Ich bin dabei! Und ich freue mich wie Du über die Anregungen und Feedbacks, die wir erhalten. Lass uns einfach alles sammeln – und dann im Frühjahr daraus etwas Neues machen. Wollen wir, dass sich in der Hochbegabung weiteres verändert -  voilà dann werden wir es tun.

Bereits Albert Einstein sagte: "Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und zu hoffen, dass sich etwas ändert." Also werden wir neu aktiv.

Wenn ich jetzt unsere Zeit Revue passieren lasse und darüber nachdenke, welche Themen mir besonders wichtig waren und sind – so fällt mir ein: GLÜCK. Denken wir doch oft: Glück steht mir nicht zu. Oder: Glück kommt nur zu den anderen. Oder: Ich erlebe immer nur das Gegenteil.

Dabei ist es doch fast immer einfacher Glück zu erleben als die Menschen denken – und ich sehe, dass Du eben diese Erfahrungen auch gemacht hast: „Seitdem ich verstanden habe, dass praktisch in jeder noch so verfahrenen Situation der Keim von mindestens einer Lösung steckt, macht es mir noch mehr Freude, meine Coachees auf ihrem Weg begleiten zu dürfen.“

Und ebenfalls bin ich Deiner Meinung, wenn Du schreibst: „Denn manches, was für den einen heute ein Problem ist, hat ein anderer schon für sich gelöst – und erzählt es mir. Und ich kann es aufgreifen, in der Erinnerung behalten und eventuell an andere weitergeben, wenn es gebraucht wird. Und das wird es garantiert irgendwann von irgendwem.“

Jedoch beim nächsten Satz sehe ich das ein wenig anders: „Nur kommt leider nicht jeder zu uns, um uns zu fragen oder von seinen Sorgen zu berichten.“ Nun, es gibt rund 80 Millionen Menschen in Deutschland. Wenn wir „nur“ von 60 Millionen erwachsenen Menschen ausgehen – und wenn wir 365 Tage im Jahr arbeiten würden – fünf Coachees pro Tag – wären das 1.825 pro Jahr – 18.250 in zehn Jahren … Ich fürchte, das mit den 60 Millionen müssen wir uns aus dem Kopf schlagen.

Ich denke aber, dass ich Deine Worte auch anders verstehen kann: Viel zu viele Menschen laufen noch mit viel zu vielen Sorgen, Ängsten und Nöten durch die Welt – und wollen sich nicht helfen lassen. Und ich finde – wie Du - den Satz des Zukunftforschers Matthias Horx[1] genau richtig: „Wir müssen lernen, Krisen als Herausforderungen für mentale und kreative Wandlungsprozesse wahrzunehmen, anstatt uns ins warme Bett der Panik zu legen.“

Doch zurück zum Glück. Es ist mit dem Glück oft viel einfacher als wir denken. Lass mich Dir eine Geschichte erzählen, die ich selbst erlebt habe: Als ich ein Kind war, gehörte Geografie zu meinen Lieblingsfächern. Ich war begeistert von der Welt und ihren Schönheiten. Mag sein, dass ich eine besonders begeisterungsfähige Lehrerin hatte – jedenfalls träumte ich von vielen Ländern, Inseln und Städten. Nein, ich dachte nicht, dass ich sie alle einmal wirklich besuchen könnte. Es reichte mir, sie in Filmen und auf Bildern zu sehen. Und damals war ich schon damit glücklich.


Foto: Saskia-Marjanna Schulz

Drei dieser Kostbarkeiten hatten es mir besonders angetan: die Insel X, Kairo und Leipzig. Nicht, dass die Côte d'Azur spurlos an mir vorüber gegangen wäre. Oder Paris, London, Rom, NY – nein, eher Washington. Freilich waren diese Location im Bereich des Machbaren.


Foto: Saskia-Marjanna Schulz 

Die Insel X, Kairo und Leipzig schienen kaum erreichbar. Nun magst Du sagen: Warum bist Du nicht einfach auch dorthin gefahren/geflogen als Du erwachsen warst? Du hast Recht. Diese Gedanken hätte ich haben können – aber ich bin nie auf die Idee gekommen. Denn als Kind gab es gleichzeitig einen „inneren Link: UNERREICHBAR“! Bis mir eines Tages in meinem Frauen-Coaching-Seminar eine Teilnehmerin die Augen öffnete.

Und das kam so: Frauenseminar. Ich begann meine Seminare stets mit einer Meditation. Dann gab es Frühstück. Und bevor die harten Fakten ausgepackt wurden – wurde erst einmal getanzt. Ein Lied über die Insel X war immer dabei. So auch in dieser Juni-Woche an der Nordsee – dort in dem kleinen Park mit bunten Blumen und fröhlichen Tischen an denen wir abends noch sassen und dem Bach zuschauten, der sich durch das frische Grün schlängelte.

Als der Evergreen der Insel X erklang, waren sofort alle Frauen auf der Tanzfläche. So auch Claudia[2],  eine Juristin aus München, die zunächst ganz fröhlich zu sein schien. Doch dann stand sie still, rang nach Luft. Ich öffnete die Fenster und nahm sie zur Seite. Wir setzten uns an den kleinen Tisch – und kaum hatte sie Platz genommen, brach sie auch schon in Tränen aus. Langsam begann sie zu erzählen. Sie hatte Jahre zuvor auf dieser Insel gelebt – unsagbar glücklich. Jetzt – bei diesem Lied – kam eine riesige Welle der Sehnsucht auf sie zu, die sie sprachlos machte. Glück, Trauer, Fernweh. Alles kam hoch. Claudia musste erst einmal alleine sein.

Ich ging derweil zu den anderen Frauen zurück – und dabei wurde mir zum ersten Mal klar: ICH WILL DAHIN! ICH WILL AUF DIESE INSEL! Als Claudia mich am nächsten Tag fragte, ob ich mit ihr zur Insel fliege – sagte ich spontan: JA!

Das war im Juni. Im September trafen wir uns auf dieser atemberaubenden Insel – und ich hatte die denkbar beste Fremdenführerin. Claudia indes freute sich, mir stolz all die Schönheiten ihrer Insel zeigen zu können. Pures Glück. Aber ich hab es nur durch Claudia erkennen können.

Monate später bekam ich einen geschäftlichen Auftrag, nach Kairo zu fliegen. Klar, dass ich angenommen habe. Wieder Glück. Ach ja, was ich vergass: Es  begann Monate zuvor mit Leipzig. Eines Morgens klingelte das Telefon. Die Wirtschafts-Akademie fragte: Können Sie in Berlin, Jena, Leipzig und Dresden Seminare übernehmen? Du kannst Dir sicher vorstellen wie begeistert ich war. Kurze Zeit später hatte ich eine Zweitwohnung in Leipzig und konnte jeden Tag diese wundervolle Stadt geniessen. Es war eine der glücklichsten Zeiten in meinem Leben.

Ich denke, besonders meine Träume, meine spielerischen Beschäftigungen mit diesen Lokalitäten, haben zur Realisierung geführt.

Von Marc Aurel (121 - 180), dem römischen Kaiser, weiss man, dass er gesagt haben soll: „Das Glück im Leben hängt von den guten Gedanken ab, die man hat.“ Ich denke das auch – möchte diese Aussage jedoch noch ergänzen: Man braucht manchmal auch sehr viel Geduld.

Ich kann mich ebenfalls der Aussage von Abraham Lincoln anschliessen: „Die meisten Leute sind in etwa so glücklich, wie sie es sich selbst vorgenommen haben.“ Oder auch: Die meisten Leute sind in etwa so glücklich, wie sie es sich selbst ERLAUBEN.“ Wir neigen ja dazu, zu den Verboten, die es schon in der Welt gibt, noch einige hinzuzudichten. Manchmal dachte ich schon: Ist das eine neue Sportart: sich auszudenken, warum man was nicht tun oder sein darf? (Sich bestrafen – bevor es ein anderer tut?)

Eckart von Hirschhausen geht noch einen Schritt weiter. Er sagt: „MENSCHEN SIND GERNE UNGLÜCKLICH.“[3] Und er begründet das so: „Davon kann jeder Arzt berichten: Hypochonder zum Beispiel – denen geht es nicht gut, wenn es ihnen gut geht. Masochisten tut es weh, wenn der Schmerz nachlässt. (…) Offenbar lieben wir Schmerz, der nachlässt, mehr als neutrale Gefühle. Das erklärt auch, warum Frauen so gerne Schuhe kaufen, die einen Tick zu eng sind – für den kontrollierbaren Glücksmoment am Abend, wenn der Schmerz beim Ausziehen nachlässt.“[4]

Ich gehe nicht soweit, dass Menschen GERNE unglücklich sind. Wahrscheinlich ist „glücklich sein“ eine allgemeine Begabung, die von manchen Menschen noch nicht zugelassen, nicht entdeckt, nicht kultiviert worden ist.

Aristoteles (384 - 322 v. Chr.) überzeugt mich da schon eher als Hirschhausen, wenn er sagt – wie etwa in der Nikomachischen Ethik[5]: „Alle Menschen wollen glücklich sein.“ Der Platon-Schüler befindet sich mit dieser Äusserung in guter Gesellschaft mit seinem Kollegen Lucius Annaeus Seneca (um 4 v. Chr. - 65 n. Chr.), der ein paar Hundert Jahre später gesagt haben soll: „Omnes beatam vitam optent.“ (Alle wünschen sich ein glückliches Leben.)

Ich schränke diese Gedanken ein und sage: Wenn sich Menschen von ihren glücksfeindlichen Elementen in Körper, Geist und Seele befreit haben – dann wollen – und werden - sie glücklich sein können.

Die gute Nachricht: Glück fällt zwar nicht einfach so vom Himmel. Jedoch: Glück kann man lernen. Das hält sogar Herr Hirschhausen für möglich und bietet ein Glückstraining[6] an. Ernst Fritz-Schubert, Direktor einer Heidelberger Schule, denkt in ähnlicher Richtung und erfindet das "Schulfach Glück". Sein Tipp: „Negative Gedanken vermiesen schon am Morgen den Tag. Unter der Dusche mache ich mich schon morgens auf die Suche nach den schönen Ereignissen, die an diesem Tag auf mich warten. Vorfreude ist ein unglaublicher Stimmungsaufheller.“[7]

Auch der Verleger Florian Langenscheidt[8] hält das Glück für lern- und machbar: "Wir entscheiden selber, ob wir dem Glück eine Chance geben." Er sagt: „Ja, man kann an sich arbeiten und sich fähiger zum Glück machen. Das Lesen und Nachdenken über Glück und auch das Beobachten anderer Menschen lassen mich selbst glücklicher werden. Wir sind unser eigener Wettergott, wir können entscheiden, ob wir dem Glück eine Chance geben oder nicht.“[9]

Wie wir sehen, haben wir es selbst in der Hand, glücklich oder glücklicher zu werden. Wir sollten es tun – solange wir leben. Denn – weisst Du, was sterbende Menschen vor allem bedauern? Sterbende sagen[10]:

o Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von mir erwarteten

o Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet

o Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen

Mit anderen Worten: Authentisch bleiben, weniger arbeiten, mehr erfüllt leben. Ist es nicht traurig, am Ende eines Lebens eine solche Bilanz ziehen zu müssen, die da heisst: Ich war nicht aufmerksam genug zu mir – ich habe mich zu wenig für meine Interessen eingesetzt – ich habe zu viel gearbeitet.


Foto: Saskia-Marjanna Schulz

Reissen wir jetzt, wo wir noch leben, das Steuer rum: Gönnen wir uns ein erfülltes Leben! Du machst uns das ja gerade so schön vor mit ANNA: „Aus den vielen ABERs werden nach und nach Ideen und Versuche für ein VIELLEICHT und sogar schon einige JAs.“ Ich finde das grossartig! Ich finde es grossartig von ANNA, dass sie sich ihren Zielen stellt und mutig ihren Erfolg erkämpft. Und ich bewundere Dich, wie Du langmütig, einfühlsam und kreativ keine Chance auslässt, ANNA ihrem Glück näher zu bringen.

Wie können wir für uns das Glück finden?


Foto: Saskia-Marjanna Schulz

Meine Gedanken dazu: Wie Holly Golightly den Coffee-to-Go Becher und ein Croissant in die Hand nehmen und mal wieder zum „Frühstück bei Tiffany[11]“ zu gehen. Also einfach irgendwohin, wo man träumen kann – wo Wünsche den Mut haben, aus der Kiste zu springen. Für eine Freundin von mir, die im Ausland lebt, ist das Glück ein Fenster. Immer, wenn sie die Möglichkeit hat, geht sie zum Kölner Dom. Und stellt sich vor das Südquerhausfenster, das von dem Kölner Künstler Gerhard Richter[12] so genial entworfen wurde. Das sei „ihr Glück“ – sagt sie.

 

Andere Menschen mögen nach Dänemark fahren. Denn einer Studie[13] (Vereinte Nationen: "World Happiness Report 2013") zufolge leben dort die glücklichsten Menschen der Welt.

 

„Glück ist“, sagt Einstein „was Lächeln macht, was Angst, Sorge, Ungewissheit vertreibt und inneren Frieden schenkt.“ Welch schönes Weihnachtsgeschenk! Für uns selbst. Und für unsere Lieben.


Foto: Saskia-Marjanna Schulz

Ich wünsche Dir Glück. In der Adventszeit, zu Weihnachten – immer!
Und ich umarme Dich,
Deine Lilli

PS Danke für Deine Stufen. Die passen genau.
PPS Mir ist derweil eines der Sesenheimer Lieder von unserem Lieblings-Goethe in die Hände gefallen:

Willkommen und Abschied

Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
Es war getan fast eh gedacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Schon stand im Nebelkleid die Eiche,
Ein aufgetürmter Riese, da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah kläglich aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch frisch und fröhlich war mein Mut:
In meinen Adern welches Feuer!
In meinem Herzen welche Glut!

Dich sah ich, und die milde Freude
Floß von dem süßen Blick auf mich;
Ganz war mein Herz an deiner Seite
Und jeder Atemzug für dich.
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter
Umgab das liebliche Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich – ihr Götter!
Ich hofft es, ich verdient es nicht!

Doch ach, schon mit der Morgensonne
Verengt der Abschied mir das Herz:
In deinen Küssen welche Wonne!
In deinem Auge welcher Schmerz!
Ich ging, du standst und sahst zur Erden,
Und sahst mir nach mit nassem Blick:
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück!

Johann Wolfgang von Goethe

Späte Fassung von "Willkommen und Abschied" (1785)

Siehe auch:





[1] Matthias Horx http://www.horx.com/
[2] Name geändert
[3] SIEBEN DINGE ÜBER DAS GLÜCK, DIE SIE NIE WISSEN WOLLTEN, ABER EIGENTLICH SCHON WISSEN http://www.hirschhausen.com/glueck/7-dinge-uebers-glueck.php
[4] a.a.O.
[6] Glückstraining
http://www.hirschhausen.com/glueck/der-kompass-zum-glueck.php , siehe auch „Anmeldung zum Netzwerk und Onlinetraining“
[7] Ernst Fritz-Schubert, Erfinder des "Schulfachs Glück": "Glück kann man lernen"
[8] Verleger Florian Langenscheidt: "Wir entscheiden selber, ob wir dem Glück eine Chance geben."
[9] a.a.O.
[10] Ware, Bronnie: 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen.
[12] Kölner Domfenster http://www.youtube.com/watch?v=Ree9Ks64VQ8 . siehe auch
Dom zu Köln http://www.koelner-dom.de/ , Kölner Dom für Kinder http://www.dom-fuer-kinder.de/
[13] „Die Dänen sind laut dem von den Vereinten Nationen erstellten "World Happiness Report 2013" im Herbst zum glücklichsten Volk der Erde gekürt worden - die Deutschen landeten abgeschlagen auf Platz 26.“