Fotos: Dr. Karin Rasmussen, Saskia-Marjanna Schulz, Alexandra Gräfin Dohna

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Sonntag, 28. Oktober 2012

Lunch mit Zeus


Liebe Karin,

gestern war es mal wieder soweit: Ich traf Zeus zum Lunch. Das mache ich manchmal, wenn es mehr Fragen als Antworten in meinem Kopf gibt. Dann ziehe ich mich in der Mittagspause zurück ins Abenteuerland Hochbegabung. Treffe Zeus. Und nasche an der Götterspeise, während er meine Fragen beleuchtet.

Es ist nicht so, dass er einfach meine Fragen beantwortet. Es ist so als würde er mir eine Schnitzeljagd-Aufgabe mit auf den Weg geben.

Gestern war ein Freudentag!
Gestern habe ich Dank Zeus‘ Hilfe endlich eine hochbegabte Künstlerin wiedergefunden, die ich aus den Augen verloren hatte.
Gestern dachte ich: Die Welt kann zauberhaft sein  – einfach so beim Lunch mit Zeus. Dem Gott der griechischen Mythologie.

Und so musste ich sehr schmunzeln als ich Deine Zeilen las: „Ich gestehe, Du hast mich mit Deinem Zitat „Herr, gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Gelassenheit, das Unabänderliche zu ertragen und die Weisheit, zwischen diesen beiden Dingen die rechte Unterscheidung zu treffen“ des Franz von Assisi genau im richtigen Moment „erwischt“.“

Ich bin sehr beeindruckt, dass es Dir möglich ist, Dir helfen zu lassen: „Manchmal muss auch ich – so wie es Anselm Bilgri empfiehlt (1), zu diesem Stoßgebet Zuflucht nehmen.“

Liebe Karin, ebenso wie Du bin ich der Meinung: „… trotz Unmengen an Büchern – von wissenschaftlich bis Ratgeber- Banalitäten  - gibt es scheinbar seit Jahrtausenden auf die Frage nach dem ICH keine endgültige Antwort.“ Wie ich Dir danke für Dein Geständnis!

Und was ist die Folge davon, dass wir keine Antworten haben, die uns allen bekannt sind? Die wir alle in der Schule gelernt haben? Der US-amerikanische Philosoph Ralph Waldo Emerson hat einmal gesagt: „Furcht besiegt mehr Menschen als irgendetwas anderes auf der Welt.“.

Ich frage Dich: Warum lassen sich so wenig Menschen helfen? Weil sie glauben, dass sie Hilfe nicht „verdient“ haben? Oder: Weil sie denken, dass es für sie keine Hilfe gibt? OK. Aber: Warum nehmen dann Millionen Menschen Woche für Woche am Glücksspiel teil?

Bei den hochbegabten Menschen sieht es ja etwas anders aus: Sie denken, dass sie alles allein machen MÜSSEN – frei nach dem Motto: Ein hochbegabter Mensch weiss und kann ALLES.

Wie traurig.

Dabei wissen wir längst, dass dieser Gedanke eine reine Erfindung ist. Würden Hochbegabte alles wissen und können, würden wir uns sicher nicht so lange über sie unterhalten. Und uns ihre Probleme, Nöte und Sorgen zu Herzen nehmen. Und stetig darauf hinweisen, dass auch ihnen geholfen werden kann. Wenn sie es denn zulassen.

Manchmal, ganz selten, gibt es Lichtblicke. Da erkennen Menschen mit einem hohen IQ, dass ihr Leben besser laufen könnte, wenn sie etwas ändern. UND SIE WERDEN AKTIV!

Vor vielen Jahren habe ich einmal einen solchen Freudentag erlebt. Irgendwo an einem Meer hatten wir uns am Morgen die Köpfe heiss geredet bei der Diskussion: Wenn ich meine Begabung erkannt habe – was mache ich dann?

Es war mein ‚Seminar speziell für Frauen‘ und wir hatten alles so geplant, dass wir Urlaub mit Coaching verbinden konnten. Mit Hilfe eines Datenerhebungsverfahrens und der modernen Technik lagen an diesem Vormittag alle Begabungsanalysen – noch verschlossen in einem Umschlag - auf dem Tisch. Und nun wurde es ganz still. Die Ladies öffneten ihre Umschläge. Schreie, Lachen, Freudentränen. Alle – aber auch alle – hatten sich unterschätzt. Und durften nun beglückt feststellen, welchen Reichtum sie in ihrem Kopf und ihrem Herzen trugen.

Irgendwann an diesem Morgen kam dann die Frage: Was mache ich jetzt mit meiner Begabung? Weitermachen wie bisher? Wohl kaum! Veränderungen müssen her! Welche? Wie? Reformen? Oder Revolutionen?

Eine Beamtin aus Norddeutschland war so überwältigt von ihrem Ergebnis, dass sie zu einer echten Revolution bereit war. (2) Aber wie bitte geht Revolution?

Gemeinsam entschieden wir noch einen Kurs im Seminar einzulegen. Technik und Methoden: Von der Theorie zur Praxis.

Du ahnst schon die Themen:

1. Mut
2. Fragetechniken.

Gedanken sortieren, Fragen stellen und auswerten gehört zum Alltagsgeschehen von Journalisten und Wissenschaftlern. Es ist das Handwerkszeug. Wie Köche ihre Messer und Pfannen benutzen. Handwerker ihren Schraubenzieher oder Künstler den Pinsel gebrauchen. Banal aber wahr: Wer es gelernt hat, hat es leichter.

Während wir in unserer Kindheit und Jugend mehr oder weniger kochen gelernt haben und auch Pinsel und Schraubenzieher uns nicht wirklich fremd sind, tun wir uns mit dem Fragenstellen schon etwas schwerer. Während uns das „Fach“ MUT (in Philosophie oder Religion oder in Politik) bekannt  sein dürfte – haben wir „Fragetechniken“ eher selten gelernt. Wozu auch?

Ganz einfach: um das zu erhalten, was wir sein oder haben wollen. Alphatiere sind damit auf die Welt gekommen. Die anderen haben es lernen dürfen. Wie wir an diesem Nachmittag im Seminar. 

Für die  Beamtin aus dem Norden der Republik war das Fragen keine Frage. Das konnte sie schon. Aber mit dem Mut fühlte sie sich noch nicht ganz per Du. Es half, ihr vor Augen zu führen, was das Ergebnis schwarz auf weiss ausgedruckt hatte – und wonach ihr Herz schon ihr ganzes Leben rief: Auf nach Amerika, Mädchen! Malen!

Ein halbes Jahr später erhielt ich eine Postkarte (dass es so etwas noch gibt: eine „Postkarte“): Bin umgezogen. Hab den Himmel auf Erden. Grüsse aus NY!

Wenn ich bedenke, dass hier ein Mensch zwanzig Jahren mit einem weinenden Herzen sich das Lebensglück versagt hat und dann nach einem Sommer-Seminar sein Leben auf den Kopf stellt: Auswandert und es „Himmel auf Erden“ nennt. Dann frage ich mich: Warum fragen nicht mehr Menschen nach ihrem Glück? Warum lassen sie ihr Herz verrosten? (Mit ihrem Auto würden sie das nicht tun!)

 „Furcht besiegt mehr Menschen als irgendetwas anderes auf der Welt.“

Was können WIR tun?

Ach, Karin, ich finde es so wundervoll, dass Du fragen kannst. Und bitten. Und so offen bist für Veränderungen.

Lass uns Bilanz ziehen: Mit dieser Mail  haben wir eine Epoche beendet. Die Epoche von 24 Mails in einem Jahr – 12 Mails von Dir – 12 von mir. Wir haben vor allem diskutiert über Bescheidenheit, Fairness, Respekt, Forschung, Wunder, Selbstkritik, Selbstzweifel, Small Talk, Unwissenheit, Erfolg, Freiheit, Realitätssinn, Rettung und Träume. Im nächsten Jahr wird aus dieser Mail-Sammlung ein Buch werden. Und dann kommt jedes Jahr ein weiteres hinzu.

Auch in der Hoffnung, dass Menschen diese Seiten in die Hand nehmen und sich daran erinnern, dass Träume wahr werden können. Dass neben diesem Satz: „Furcht besiegt mehr Menschen als irgendetwas anderes auf der Welt.“ weitere Sätze lebendig bleiben:


  • Wenn die anderen glauben, man ist am Ende, dann muss man erst richtig anfangen! Konrad Adenauer


  • Wer Erfolg haben will, muss die richtigen, vorbereiteten Fragen stellen. Aristoteles


  • Bewegt man sich zuversichtlich in die Richtung seiner Träume und strebt danach, das Leben zu führen, das man sich vorstellt, erlebt man Erfolge, die man nicht erwartet hat. Henry David Thoreau


  • Eine Weltkarte, die das Land Utopia nicht enthielte, verdiente diesen Namen nicht, denn in ihr fehlte das einzige Land, in dem die Menschheit immer landet. Oscar Wilde


  • Das Geheimnis des Erfolgs? Anders sein als die anderen. Woody Allen (Naja, das sind sie schon, die Hochbegabten. Tragen sie allein deshalb das Geheimnis eines Erfolges in sich?)


Für mich ist es eine grosse Freude, die hochbegabte Künstlerin in der ganz realen Welt wieder gefunden zu haben! Denn mit ihrer Hilfe werden manche meiner Arbeiten leichter. Zuerst habe ich alleine versucht, sie zu finden. Ohne Erfolg. Doch dann kam mir der Gedanke, Zeus um Hilfe zu bitten.

Ich danke Zeus für diese Begegnung. Andere Menschen mögen andere Wesen haben, denen sie vertrauen und die ihnen helfen, ihre Wünsche und Träume wahr werden zu lassen: Gott, die Jungfrau Maria, Jesus, Buddha … AMMA oder die Nachbarin von gegenüber. Manche Menschen werden von ihren Tieren geführt oder motiviert. Von Lichtwesen, Heiligen oder Bäumen.

Menschen brauche Hilfe. Denn der Weg auf Erden ist nicht immer leicht. Doch hier dürfen wir weiterdenken – wie es schon Lucius Annaeus Seneca getan hat: „Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“

Schwer vorstellbar – aber Johann Wolfgang von Goethe soll einmal gesagt haben: „Vor andern fühl ich mich so klein, Ich werde stets verlegen sein.“
Wie wir wissen, konnte Goethe Hilfe annehmen. In ganz realen Gesprächen oder Briefwechsel mit anderen Menschen. Oder mental, wenn er sich z. B. mit Shakespeare unterhielt.

Und mit seinem Wissen kann er – Goethe – uns heute noch helfen: „In dem Moment, wo du dich einer Sache wirklich verschreibst, rückt der Himmel in deine Reichweite.“

Den „Himmel“ erreichte die Beamtin in New York. Mögest Du den Himmel in Berlin besonders köstlich erleben. Und wie im Film „Der Himmel über Berlin“ mögest Du den Menschen neuen Lebensmut einflössen. DU KANNST DAS!

Auf eine neue Epoche!

Grüsse von Zeus und mir,
Deine Lilli