Fotos: Dr. Karin Rasmussen, Saskia-Marjanna Schulz, Alexandra Gräfin Dohna

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Sonntag, 10. November 2013

Hochbegabtes Treppentraining oder panische Sinnkrise?

Liebe Lilli,

oje, die Zeit rennt – schon bald ist das Jahr 2013 wieder um und wir kommen bei Prometheus-Brief Nr.50 an! 

Irgendwie macht mich das ein wenig stolz, denn wir haben damit schon länger durchgehalten als so mancher andere. Gleichzeitig spüre ich in mir den Drang, unseren Gedankenaustausch in eine andere Form zu bringen und damit auch gleich auf ein anderes Niveau zu heben: Ich denke nämlich, dass es für neu hinzugekommene LeserInnen ziemlich mühsam sein mag, unsere früheren Briefe in der richtigen Reihenfolge nachzuvollziehen. Zugleich enthalten viele unserer Texte wertvolle Berichte über die Erfahrungen unserer Coachees. Und die möchte ich gern möglichst vielen Ratsuchenden etwas unkomplizierter zugänglich machen. Lass uns deshalb darüber nachdenken, ob wir nicht nach Prometheus- Brief Nr.50 eine Pause einlegen oder sogar ganz auf ein anderes Format umsteigen. Mir gefällt die Idee, einen neuen Anfang in anderer Form zu planen. Es ist wie die erste Seite in einem ungelesenen Buch: spannend, herausfordernd, verlockend und irgendwie heiter, verheißungsvoll. (Uuuups, hat mich da schon das Weihnachts-Vorfreude-Virus infiziert?) Egal, lass uns darüber auch mit unseren LeserInnen ins Gespräch kommen. Vielleicht haben sie ja direkte Wünsche an uns, oder sie können uns Tipps geben, was sie besonders interessiert?

Also, liebe LeserInnen (ja, ich meine Sie alle, nicht nur die Hochbegabten unter Ihnen): Schreiben Sie uns, lassen Sie uns wissen, wie Sie über ein Ende oder eine lange Pause im Prometheus- Briefwechsel von Lilli Cremer-Altgeld und Karin Rasmussen denken. Vielleicht bieten die jetzt schon länger werdende Abende oder die bevorstehenden Feiertage Ihnen ja die Gelegenheit, in sich selbst hinein zu lauschen und uns Ihre Gedanken anzuvertrauen. Bleiben Sie nicht im Schatten stehen. Teilen Sie uns Ihre Wünsche mit und bitte auch Ihre Fragen und Ihre Erfahrungen. Denn sicher können davon auch andere profitieren, die vielleicht nicht den Mut zum Schreiben haben. Oder die glauben, mit ihren Problemen allein zu sein. Wir freuen uns über jede Nachricht – und wir wollen auch in Zukunft mit Ihnen in Verbindung bleiben!


© Karin Rasmussen

Liebe Lilli, Du hast so wunderbar verständnisvoll beschrieben, warum wir immer mal wieder ein ABER in uns tragen. Es ist tatsächlich genau so: „Wir sprechen deshalb mit anderen Menschen über unsere Themen, weil wir alleine nicht so richtig weiterkommen. Wir kennen doch bereits unsere Sackgasse, in die wir gelaufen sind. Aber wir erkennen noch nicht, welche Wege nach draußen führen. Zu unserem Ziel. Wir sehen das Ufer auf der anderen Seite – wissen aber nicht wie wir dahin kommen.“

Das ist genau die Situation, in der wir alle uns gegenseitig helfen können, wenn wir miteinander sprechen. Wir sind als Coaches natürlich immer zugleich in einem Prozess des Gebens und Nehmens: Je länger ich dieser Berufung folge, um so mehr lerne ich. Geht es Dir auch so? Seitdem ich verstanden habe, dass praktisch in jeder noch so verfahrenen Situation der Keim von mindestens einer Lösung steckt, macht es mir noch mehr Freude, meine Coachees auf ihrem Weg begleiten zu dürfen. Denn manches, was für den einen heute ein Problem ist, hat ein anderer schon für sich gelöst – und erzählt es mir. Und ich kann es aufgreifen, in der Erinnerung behalten und eventuell an andere weitergeben, wenn es gebraucht wird. Und das wird es garantiert irgendwann von irgendwem. Nur kommt leider nicht jeder zu uns, um uns zu fragen oder von seinen Sorgen zu berichten. Deshalb haben wir ja auch unseren Briefwechsel öffentlich gemacht – damit auch jene profitieren können, die wir nicht sehen oder von denen wir nichts erfahren. Aber: Da das Heute morgen schon Gestern ist, können sich Bedingungen und Anforderungen schnell und einschneidend ändern, und schon kann auch ein bisher ganz erfolgreicher Mensch erst mal ratlos sein. Da ist es dann gut, wenn man uns findet – und wenn wir auf mehr als nur unsere eigene Erfahrung zurückgreifen können.


© für das Foto 
über Karin Rasmussen[1]

Deine so wirkungsvolle Methode, in Alternativen denken zu lernen, kenne ich auch. Zwar habe ich nicht so viele verschiedene Sportarten ausprobiert wie Du, aber mit dem Tanzen hatte ich eine vergleichbare Erfahrung: Als Kind sollte ich unbedingt Ballettunterricht bekommen – aber die Trainer hielten mich für ungeeignet. Egal, ich wollte tanzen! Und zwar einfach nur tanzen, mich bewegen nach Musik, meine Stimmungen ausdrücken und meine Emotionen ausleben. Da ich aber keine Anzeichen von Talent für die Bühnenreife zu bieten hatte, wurde der Unterricht schnell wieder gestrichen. Stattdessen durfte ich in die Musikschule gehen und dort lernte ich Konzertgitarre spielen – ebenfalls mit durchschnittlichem Erfolg. Also war auch damit irgendwann Schluss. Es „lohnte“ sich nicht. Heute bin ich dankbar, denn mein Musikverständnis, meine Koordination und vor allem meine Freude an dem, was andere können, haben ständig zugenommen. Und zum Tanzen bin ich im späten Erwachsenenalter auch noch gekommen: In einem Profi-Senioren-Tanzclub fand ich verständnisvolle, humorvolle, tanzbegeisterte Freunde, denen meine Bühnenreife völlig egal war. Meine Freude hält bis heute an. Und manchmal tanze ich einfach so für mich Figuren nach, es scheint die mir innewohnende natürliche Bewegungsart zu sein.

Ich habe mich auch schon sehr früh für Design, Gestalt und Form interessiert und häufig mit verblüffend einfachen „Abweichungen“ von der Norm ganz erstaunliche Wirkungen erzielt. Nicht nur theoretisch, auch ganz praktisch ist so aus manchem eigentlich verunglückten Versuch etwas zu gestalten, ein kleines Kunstwerk geworden. Einzigartig, individuell und immer wieder überraschend haben sich Lösungen abseits der vertrauten Wege gefunden. Und so hatte ich auch oft ein wirklich besonderes Geschenk für liebe Menschen – was dankbar entgegengenommen wurde. Noch heute bin ich begeisterte Baumarkt-Entdeckerin und auch Bastel-Läden faszinieren mich viel mehr als Spielzeug-Geschäfte, wenn ich nach Geschenken für meine Enkel suche. Es ist diese Vielfalt an Möglichkeiten und die Einladung zum Ausprobieren, die mich auch beim Coaching immer wieder erfreut. Wir müssen unseren Coachees das ABER gar nicht abgewöhnen, sie vergessen es nahezu von selbst, wenn wir sie nach ihren Wünschen, Träumen und Stärken fragen (denn das passt meist ideal zusammen) und sie dann einladen, über viele verschiedene Wege zum Ziel nachzudenken. Alleine schon das Denken, erst recht aber das Gehen verschiedener Wege bereichert und hebt die Laune.


Und je mehr Neuerungen wir selbstbestimmt und optimistisch in unser Leben bringen – von der neuen Frisur über das neue Hobby bis hin zu den neuen Freunden und dem neuen Job – umso „fitter“ sind wir für überraschende Herausforderungen. Es ist wie beim Tanzen: Wer nur Walzer rechtsherum kann, wird nicht viel Spaß daran haben, nur schwer neue Tanzpartner finden / halten können und auf der Tanzfläche auch kaum Erfolge feiern. Eher sitzt man so am Rand herum, ärgert sich über die Musik (müssen die auch gerade Walzer spielen!?) und schaut neidvoll den anderen zu. Wer außer rechts- auch linksherum tanzen kann, kommt schon weiter. Und wer noch zusätzliche Figuren beherrscht, kann selbst die gehbehinderte Großmutter auf der Hochzeit des besten Kumpels noch auf charmante Weise mit einem Tänzchen glücklich machen. Denn nur derjenige hat wirklich die Chance auf eine selbstbestimmte Auswahl, der ein breites Repertoire/Reservoir von Lösungsmöglichkeiten kennt. Oder: der Menschen kennt, die über ein solches Reservoir verfügen und bereit sind zum Gespräch.


© Karin Rasmussen

Übrigens sind nicht nur Gespräche, sondern auch Bücher über die sich ständig ändernden Bedingungen und Anforderungen unserer Gegenwart für mich besonders spannend. Und immer wieder stoße ich dabei auf wahre Schätze:  „Wir müssen lernen, Krisen als Herausforderungen für mentale und kreative Wandlungsprozesse wahrzunehmen, anstatt uns ins warme Bett der Panik zu legen.“[2] Wie findest Du diesen Satz? Professor Horx hat auch noch andere schöne Provokationen drauf. Er fordert zum Beispiel,  gegen Regeln „auf intelligente Art“ zu verstoßen, um neue Lösungen zu finden. Als ich diesen Satz in einer Fernseh-Lektion von ihm hörte und dabei seine Augen leuchten sah, musste ich sofort wieder an ANNA denken.

Ja, Du hast Recht: Sie (wir?) machen Fortschritte. Aus den vielen ABERs werden nach und nach Ideen und Versuche für ein VIELLEICHT und sogar schon einige JAs. Und das verdanken wir neben ANNAs Mut und Kraft auch dem sehr praktikablen Konzept des Zürcher Ressourcen Modells[3] . Ich bin darüber sehr froh, denn es kostet natürlich schon Nerven und  Anstrengung, insbesondere weil es tatsächlich auch bedeutet, einiges loszulassen.

ANNA schreibt mir: „Das waren harte Nüsse, aber Sie haben mich mit Erfolg gezwungen nachzudenken. Das hat mir gutgetan, aber auch Kraft gekostet.“ Die Entscheidung für einen Neustart in einem ganz anderen Landesteil, viele Kilometer von der vertrauten Heimat, den Freunden und Kollegen entfernt – dazu eine neue Art von Arbeit und mit so wenig Sicherheit über die eigenen Potenziale (du erinnerst Dich: man hatte ihr trotz Studienabschluss immer wieder gesagt, dass sie nicht normal sei, dass aus ihr nie etwas werden würde), das Ganze auch noch kurz vor Beginn der „dunklen“ Jahreszeit – dazu gehört Mut. Und den könnte man schnell verlieren, wenn man die vielen gleichzeitig auftretenden Anforderungen und Ungewissheiten als Krise verstehen würde. Aber ANNA hat keine Panik bekommen – sie hat es nicht zugelassen. Sie hat tapfer eine Aufstellung ihrer Stärken für mich erarbeitet, so nach und nach ihre Selbstzweifel in die Ecke gestellt und ihren Blick auf die (vorläufig noch kleinen, aber stabilen) Erfolge ihrer ersten Schritte gerichtet. Sie lernt, die Entfernung, die heute noch zwischen ihr und ihrem großen Ziel liegt, nicht zu fürchten. Und sie hat erkannt, dass andere ihre Stärken auch sehen. Ihre Freunde haben ihr bestätigt, was sie selbst nicht glauben konnte: dass sie stark ist, ein wichtiger Mensch für viele andere und dass sie deshalb auch ihre verschiedenen Weges-Abschnitte nicht allein gehen muss. Jetzt sieht sie schon viel optimistischer in ihre Zukunft und traut sich auch zu, besser für sich selbst eintreten zu können.


© Karin Rasmussen

In einem nächsten Coaching-Schritt wird ANNA lernen zu akzeptieren, dass jeder Mensch seinen eigenen Rhythmus hat. Genau wie Du schreibst: „Manchmal sind Hochbegabte sehr langsam. Dann wieder sehr schnell. Beides ist richtig, wenn wir wissen, wann wir schnell – und wann wir langsam sein dürfen.“ Ich werde ihr das Buch von  Daniel Kahneman „Thinking, Fast and Slow. Schnelles Denken, Langsames Denken“[4] empfehlen. Denn ANNA ist klug und zieht aus solchen Anregungen ihre eigenen weitreichenden Schlüsse. Sie hat nur bis jetzt nicht gewusst / geglaubt, dass solche „wichtigen“ Bücher auch für sie geschrieben werden und dass sie ihnen gewachsen ist. Da hatte sie einfach das falsche „Bauchgefühl“. Sie fühlte sich durch ihre Hochbegabung verpflichtet, etwas ganz Besonderes zur Verbesserung der Welt zu leisten. Und sie fand keine Aufgabe für sich, die diesem Ziel entsprach. Doch die einfachere Frage: muss man hochbegabt sein, um Gutes zu tun, die konnte sie sehr schnell beantworten! Und seitdem weiß sie auch, dass alles was sie tut, etwas Besonderes ist – dadurch, dass sie es TUT und WIE sie es tut. Das hat viel Druck von ihr genommen, denn sie misst sich selbst jetzt nicht mehr an irgendwelchen Berühmtheiten, sondern sie fragt sich jeden Tag: Habe ich mein Bestes gegeben? Du ahnst es schon: Sie kann immer öfter JA zu sich selber sagen. Und siehe da – sie schafft mehr, ist fröhlicher und hat sich sogar schon vorgenommen, ihre Magisterarbeit zu beenden.

ANNA und alle unsere LeserInnen, jeder einzelne von uns, hat gute Chancen, auf diesem oder ganz anderen Wegen näher zu sich selbst zu finden. Denn wenn die Prognosen stimmen[5], dann bewegt sie die gesellschaftliche Entwicklung der ganzen Welt in eine Richtung (die sechste Welle des Kondratiew-Zykluss), in der jeder Einzelne mit all seinen Fähigkeiten in seiner individuellen Unverwechselbarkeit dringend gebraucht wird und gleichzeitig zum ersten Mal in der Geschichte auch die Chance bekommt, seine Potenziale frei zu entfalten. Wir werden vielleicht für die Umstellung in unserem Denken eine längere Zeit brauchen als für die Veränderung unseres alltäglichen Tuns. Und deshalb, liebe Lilli, werden wir zwei wohl noch viele schwierige Fragen zu hören bekommen. Ich freue mich darauf! Und ich reagiere – mal schneller, mal langsamer – mit der Suche nach neuen oder anderen Wegen, für mich, für meine Coachees, für die Lösung der Fragen unserer Zeit. Ich danke Dir, dass Du dabei an meiner Seite bist und wir uns immer wieder gegenseitig inspirieren können.

Liebe Lilli, ich wünsche Dir für die Adventszeit immer wieder geruhsame Stunden mit einem Buch am Kamin oder mit fröhlichen Gedanken im Freien – auf jeden Fall aber wünsche ich Dir viel Freude und gute Gesundheit.
Und wenn Du magst, auch Verse – heute mal nicht von unserem Lieblings-Goethe, sondern von einem, der trotz vieler selbstgeschaffener Qualen die Welt klug bereichert hat.

Sei umarmt
Deine Karin



© für das Foto 
über Karin Rasmussen


Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen.
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse (1877-1962), 1941





[1] Skulptur von Karl Ulrich Nuss aus dem Zyklus „Zehn Paare“ (2008)
in der Skulpturenallee Strümpfelbach
[2] Prof. Matthias Horx, Zukunftsforscher, http://www.horx.com/Reden/Future-Markets.aspx  
[3] Maja Storch, Frank Krause: Selbstmanagement- ressourcenorientiert. 4. Vollständig überarbeitete Auflage, Verlag Hans Huber 2011, ISBN 987-3-456-84444-2
[4] Daniel Kahnemann: Schnelles Denken, langsames Denken
[5] Die 6. Welle im Kondratiew-Zyklus stellt ins Zentrum der Entwicklung, was HB schon heute als entscheidende Entwicklungsbedingung fordern und brauchen: Kooperation auf der Basis von Vertrauen, Bildung, Gesundheit, intelligente Netzwerke und Biotechnologie, nachzulesen z.B. unter: http://www.kondratieff.net/19.html, siehe auch Horx, http://www.horx.com/Reden/Future-Markets.aspx  




Sonntag, 27. Oktober 2013

Wie ein schüchterner Hochbegabter eine Ehefrau gefunden hat

Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern sind im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht, –
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh' Stille, Schnee und Winter kommt.

Theodor Fontane (1819 - 1898)


Liebe Karin,

ich bin total begeistert von Deinen Fotos[1] (Festival of Lights). Ich hatte von dem Festival gehört – konnte es mir jedoch nicht wirklich vorstellen.

Du sprichst mir aus der Seele, wenn Du schreibst: „Vielleicht sind es auch solche Bilder, die den Menschen immer wieder die Hoffnung erhalten und ihren Mut stärken: Es sind viele, die gemeinsam Freude haben. Und die Kreativen, die uns solche Erlebnisse erschaffen, können nur im Frieden wirken. Für derartige Aktionen sind Energie, Geld und Geist doch viel sinnvoller eingesetzt, als für Krieg und Streit.“

Und dann kommst Du mit diesen wunderbaren Bildern um die Ecke – als sei es das Natürlichste der Welt. Freude! Danke! Da capo!

Ich gratuliere Dir und ANNA zu den ersten Erfolgen: „Zum Glück hat ANNA jetzt schon neue Freunde gefunden und auch erste Erfolge in ihrer neuen Arbeit.“ Das freut mich sehr. ANNA ist bei Dir ganz einfach in wirklich sehr guten Händen.

ABER.

Ja, liebe Karin, Du hast es mal wieder genau auf den Punkt gebracht: Das grosse ABER.  Ist ja auch verständlich: Wenn wir so ohne weiteres zu unseren Zielen kommen könnten – dann hätten wir sie ja längst alleine erreicht. Wir sprechen deshalb mit anderen Menschen über unsere Themen, weil wir alleine nicht (so richtig) weiterkommen. Wir kennen doch bereits unsere Sackgasse, in die wir gelaufen sind.

Aber wir erkennen (noch) nicht, welche Wege nach draussen führen. Zu unserem Ziel. Ob zu dem richtigen Partner – der richtigen Partnerin. Ob zu der für uns richtigen Aufgabe, dem Job, der Arbeit, bei der wir uns erfüllt fühlen. Oder zu der für uns angemessenen Art mit uns und unserem Leben umzugehen. Wir sehen das Ufer auf der anderen Seite – wissen aber nicht wie wir dahin kommen.


Foto: Saskia-Marjanna Schulz

Warum ist das so? Nun, Du weisst es natürlich: Weil wir ein bestimmtes Repertoire an Lösungen gelernt und diese bisher mit mehr oder weniger Erfolg praktiziert haben. Wenn sich die Aufgaben ändern und/oder unsere Rahmenbedingungen, Erfahrungen, Einstellungen – dann geht das, was gestern noch möglich war – nicht mehr … so richtig.

Neue Ansätze sind (noch) nicht da. Woher auch? Die haben wir ja bisher nicht gebraucht. So sind wir bald ratlos. Nach einer gewissen Zeit möglicherweise verzweifelt. Wir zweifeln an uns. An unseren Handlungen, Kompetenzen und Begabungen. Wir suchen und finden Schuldige – aber wir kommen nicht weiter. Wir kommen uns vor, wie der Hamster im Rad. Wir arbeiten, schuften – Stress! – aber wir bleiben auf der Stelle. Hilfe suchen? Auf die Idee kommen wir doch gar nicht. Was sollen denn die anderen denken? Wir sind ja schliesslich hochbegabt. Wenn wir das nicht schaffen – wer denn?

Dabei ist es – zumindest theoretisch – ganz einfach: Wir müssen unseren Geist daran gewöhnen, dass wir neue Wege brauchen. Wir brauchen Alternativen und damit neue Einsichten. Was tun? Wir dürfen unsere Selbstvorwürfe gemeinsam mit unserem Selbstmitleid und unserer Bockigkeit in die Kur schicken. Und uns auf uns selbst besinnen. Wir geben grünes Licht für Weitblick, Spürsinn, Esprit.

Wir dürfen uns fragen, was wir wollen. Was wir uns wünschen. Bei was wir uns wohl fühlen. Echt fühlen. Authentisch fühlen. Wenn wir es uns erlaubt haben, unsere Bedürfnisse und Wünsche zu erkennen – dann kann auch wieder die Leidenschaft für unser Leben in uns erwachen. Ich denke, ANNA hat bereits diese Entwicklung erreicht. Und was machen wir nun mit dem ABER? Ich bin schon gespannt, was Du berichten wirst.

Bei Menschen, die ich kenne, konnte ich folgendes beobachten:
Wir beginnen mit einem Training, das unserer Denkweise hilft, die neuen Wege zum Ziel zu finden. Wir beginnen mit ganz einfachen Schritten.

Einer meiner Lehrer wusste da ein feines „Hausmittelchen“: Wir fangen an,  im normalen Alltag Alternativen zu wählen. Da, wo wir eine Wahl haben. Auch wenn sich das jetzt erst mal recht simpel anhört – „Alternativen im Alltag aktivieren“ – so ist es doch zumeist von Erfolg gekrönt. Denn wir brauchen fast alle eine bestimmte Zeit der Umgewöhnung, der Einstimmung auf das Neue.

Welchen Bereich wählen wir aus? Ganz einfach: das tägliche Leben. Wir motivieren unsere Denkkraft, etwas Neues zu suchen und zu finden. Denn, wenn wir das oft genug mit unserem angeborenen Einfallsreichtum gemacht haben, macht unser Verstand das bald von ganz alleine nach. Und findet so genau das, was wir uns gewünscht haben.

Erste Fortschritte zeigten sich bei Menschen, die ich kenne, indem sie alternative Wege gegangen oder gefahren sind: einfach auf dem Weg zur Schule, zur Uni, zur Arbeit. Anstatt die klassischen „Trampelpfade“ zu benutzen, gab es neue Wege/Strassen/Autobahnen. Vielleicht dauerte es länger bis wir unser Ziel erreichten, vielleicht waren die Pfade weniger bequem oder komfortabel. Aber so ist das mit dem Training – wie auch sonst im Leben: von Nichts kommt Nichts. Wir dürfen schon Einsatz zeigen – denn wir wollen ja auch belohnt werden.

Es geht noch weiter: wir dürfen uns überlegen, wie wir weitere Neuerungen in unser Leben bringen: Statt immer Apfeltee zu trinken, mal Chrysanthemen Tee ausprobieren. Oder Ginseng Tee.  Oder Verveine Tee.  Beim Sonntagsspaziergang zum alten Forsthaus – mal überlegen, ob es nicht ganz hübsch wäre, auch an den kleinen Weiher zu gehen. Da, wo Kinder oft die Enten füttern. Und dann ganz anders den Heimweg antreten. Kühne Menschen finden ein neues Hobby,  einen neuen Ferienort oder outen sich mit einer unbekannten Begabung.


Foto: Saskia-Marjanna Schulz

Diese Methode habe ich mit einem Manager aus München praktiziert – nennen wir ihn Florian. Flo wollte meine Hilfe – ohne sagen zu können, was er  wirklich wollte. Hochbegabt, mit zwei Studienabschlüssen sowie einem interessanten, sicheren und gut dotierten Job – war er nicht in der Lage, sich seiner Unzufriedenheit klar zu werden. Nach der beschriebenen Aufwärmphase dämmerte es ihm: er wollte eine Ehe-Frau. Jetzt kam das ABER: Florian schämte sich, auf dem „natürlichen Weg“ (im Beruf, beim Sport, im Club) keine Frau gefunden zu haben. Und blieb in seiner Scham
erst einmal stecken.

Was würde es da bringen, ihm eine seriöse Heiratsvermittlerin zu empfehlen?  Flo hatte nicht nur Scheu dort alleine hinzugehen – er hatte auch Angst davor, mit ihr zu reden.

Wir wussten beide: so konnte er nicht die Frau finden, die sich ihn als Ehemann wünschen würde. So gab es erst einmal Gespräche. Viele Gespräche. Und eine Methode, die mir beim Fitness/Sport sehr geholfen hatte und immer noch hilft. Ich habe viele Sportarten ausprobiert: Fussball, Handball, Reiten, Segeln, Walking, Jogging, Ski, Schlittschuh, Tennis, Golf, Fechten … immer wieder kam ich an einen Punkt, wo mir ein Lehrer, Trainer oder ein anderer Sportler mit der Frage begegnete: „Sind Sie nicht die Schwester von …?“ Und dann wurde erst mal mein Bruder lang und breit gelobt. Wie beeindruckend, enthusiastisch und ausgezeichnet  mein Bruder Sport macht. Nicht selten mit dem mitleidigen Blick in meine Richtung: Bleiben SIE (!) doch besser bei Ihren Büchern!

OK, ich habe nicht den Ehrgeiz Sportpreise zu gewinnen – und in Olympia war ich aus historischen – nicht aus sportlichen Gründen. Ich wollte einfach Sport machen. Ohne WENN und ABER. Aber irgendwie wollte mir das nicht so recht gelingen.

Bis ich die Fitness-Cassetten  von Antony Fedrigotti[2] entdeckte. Es dauerte einige Monate bis ich die Veränderungen erkannte: Zuerst machte mir Walking immer mehr Spass. Ich kaufte meinen ersten Trainingsanzug. Und einen zweiten. Ich arbeitete schliesslich sogar mit einem Sportlehrer (Deutscher Meister) zusammen. Während ich in Seminaren mit „meinen Manager/innen“ über Kommunikation diskutierte – wurde in den Pausen Sport gemacht.

Heute bin ich öfter im Fitness-Studio als mein Bruder auf dem Tennisplatz. Und die Sportlehrer, Trainer und Sportsfreunde sind stumm geworden!

Auch für Flo war die Methode von Antony Fedrigotti für diese Situation die Richtige. Allerdings nicht als Fitness-Cassette, sondern in der moderneren Variante als CD und MP3: Partnerschaftsbeziehung[3] und „Mutig sein - Stark und kraftvoll durch das Leben gehen“[4].

Nach einigen Wochen war Florian dann soweit: Wir gingen gemeinsam zur Heiratsvermittlung. Erstaunlich klar und sicher konnte Floh seine Wünsche äussern. Angstfrei. Er bekam Adressen von interessierten Frauen – und ich bekam hin und wieder eine sms mit dem „Stand der Dinge“.

Pause. Eine Zeitlang hörte ich nichts mehr aus Bayern. Doch dann kam die frohe Botschaft: Es ist Elena[5]: Ich habe die richtige Frau gefunden! Nach einer Weile besuchte ich die beiden in ihrem neuen Haus in München. Und war begeistert. Hier hatten sich zwei gefunden, die wirklich für einander bestimmt waren. Und nicht nur das: zuerst einmal hat sich Florian selber gefunden.


Foto: Saskia-Marjanna Schulz

Daran denke ich manchmal, wenn ich ein ABER höre.

Jeder Mensch hat seinen eigenen Rhythmus. Manchmal sind Hochbegabte sehr langsam. Dann wieder sehr schnell. Beides ist richtig, wenn wir wissen, wann wir schnell – und wann wir langsam sein dürfen. Dabei muss ich an das Buch eines Psychologen denken: Daniel Kahneman[6] - der Nobelpreisträger[7] -  „Thinking, Fast and Slow. Schnelles Denken, Langsames Denken.“[8] Von ihm lerne ich, auch neu zu denken.

Wie das geht, zeigt Kahneman u.a. an dem Beispiel eines Aktienkaufs. Er erzählt: „Vor vielen Jahren besuchte ich den Leiter der Vermögensverwaltung eines grossen Finanzdienstleisters, der mir sagte, er habe gerade einige zehn Millionen Dollar in Aktien der Ford Motor Company investiert. Als ich ihn fragte, wie er zu diesem Entschluss gelangt sei, antwortete er, er sei kürzlich auf einer Automesse gewesen, und das, was er gesehen habe, habe ihn beeindruckt. (…) Er liess keinen Zweifel daran, dass er seinem Bauchgefühl vertraute, und war zufrieden mit sich und mit seiner Entscheidung. Ich fand es bemerkenswert, dass er anscheinend die eine Frage, die ein Ökonom als relevant erachten würde, nicht in Betracht gezogen hat: Sind Ford-Aktien gegenwärtig unterbewertet?“[9]

Kahneman erklärt das Verhalten des Vermögensverwalters wie folgt: „Die Frage, vor der der Manager stand (Soll ich in Ford-Aktien investieren?) war schwierig. Aber die Antwort auf eine leichtere und damit zusammenhängende Frage (Mag ich Autos von Ford?) fiel ihm spontan ein und bestimmte seine Entscheidung. Das ist das Wesen intuitiver Heuristiken: Wenn wir mit einer schwierigen Frage konfrontiert sind, beantworten wir stattdessen oftmals eine leichtere, ohne dass wir die Ersetzung bemerken.“[10]

Das gibt mir die Anregung, mich immer mal wieder zu fragen: welche schwierigen Fragen habe ich in der letzten Woche gehört – und wie habe ich mich entschieden?

Was wünsche ich Dir für diesen Herbst? Wir haben hier in den letzten Tagen immer wieder Sonne satt gehabt – und herrliche Farben, in denen sich das Licht spiegelt. Es war wunderbar.


Foto: Saskia-Marjanna Schulz

So wünsche ich Dir Sonne, Farben – und lebensfreudige Sonnenblumen.

Ich umarme Dich herzlich,
Deine Lilli



[1] Festival of Lights
[2] Antony Fedrigotti
[3] Partnerschaftsbeziehung
[4] Stark und kraftvoll durch das Leben gehen
[5] Aus Datenschutzgründen nenne ich sie Elena.
[6] Daniel Kahnemann
[7] The Sveriges Riksbank Prize in Economic Sciences in Memory of Alfred Nobel 2002
[8] Daniel Kahnemann: Schnelles Denken, langsames Denken
[9] a.a.O. Seite 24
[10] a.a.O. Seite 25



Sonntag, 13. Oktober 2013

Lichter der Hoffnung

Liebe Lilli,

Herzlichen Dank für Deine Geduld. Beinahe hätte ich es nicht geschafft, Dir pünktlich zum Wochenende zu antworten: 

Es passiert manchmal so Vieles gleichzeitig, dass man ich erst mal sortieren muss. Und dabei bleibt gelegentlich die eine oder andere Aufgabe auf der Strecke, obwohl sie wichtig ist. Danke, dass Du mich erinnert hast. Und das, obwohl Du selbst auch gerade schwer beschäftigt bist und Dich auch noch auf Reisen befindest! Sicher haben unsere LeserInnen auch Verständnis, wenn mal eine Antwort etwas später kommt. Ich bin Ihnen, liebe LeserInnen, auch dafür dankbar, dass Ihr Interesse nach wie vor anhält, sogar wächst und wir auch immer wieder neue LeserInnen begrüßen können.

Das ermutigt zum Weitermachen, obwohl die Zeit gerade jetzt oft seeeeehr knapp wird. Im Herbst ist nach dem Sommer scheinbar jeder mit besonders viel Energie geladen und es entwickeln sich bedeutende Ereignisse ziemlich gleichzeitig.

In Syrien gibt es eine ermutigende Entwicklung – die Bereitschaft, sich der internationalen Chemiewaffen-Kontrolle zu unterwerfen zeigt, dass die Reaktion der Weltöffentlichkeit nicht ohne Wirkung bleibt. Auch wenn vielleicht mit markigen Worten und starrköpfigem Beharren auf der eigenen Position zunächst ein anderer Eindruck erweckt werden soll. Gut, dass dank der neuen Medien immer mehr Menschen ihrem Friedenswillen Ausdruck geben können und dies auch tun. Wie verschieden sie auch sein mögen und welcher Religion sie angehören (oder nicht), es ist eben ein allgemeiner Wunsch der menschlichen Gattung, Frieden und Freiheit zu erringen. Auch wenn es noch so mancher politischer Aktionen bedarf, bis dieses Ziel erreicht wird – je mehr Menschen beteiligt sind, umso näher kommen wir einer wahrhaft humanistischen Weltkultur.

Apropos Kultur: Ein Grund, warum ich heute mit Verspätung schreibe, ist das „Festival of Lights“ hier in Berlin. Ich wollte Dir unbedingt ein paar schöne Fotos senden. Leider bin ich erst gestern Nacht dazu gekommen, diese Aufnahmen zu machen. Nun also:
Berlin grüßt die Welt mit/im Licht – als Zeichen der Hoffnung und des Glücks. Trotz strömenden Regens und eines beeindruckenden Herbstgewitters waren Tausenden unterwegs, um dieses Ereignis gemeinsam zu feiern.[1]





© bei Karin Rasmussen


Vielleicht sind es auch solche Bilder, die den Menschen immer wieder die Hoffnung erhalten und ihren Mut stärken: Es sind viele, die gemeinsam Freude haben. Und die Kreativen, die uns solche Erlebnisse erschaffen, können nur im Frieden wirken. Für derartige Aktionen sind Energie, Geld und Geist doch viel sinnvoller eingesetzt, als für Krieg und Streit.





© bei Karin Rasmussen


Es waren hier viele Nationalitäten, alle Altersgruppen und ganz bestimmt eine Vielzahl religiöser Orientierungen versammelt – mit lächelnden, glücklichen Gesichtern. Das Gedränge war riesig, die meisten Fotos gelangen erst nach mehreren Versuchen (nicht nur wegen des schlechten Wetters, sondern oft auch, weil ein anderer im Weg oder im Bild stand) und dennoch waren alle fröhlich, rücksichtsvoll, geduldig. Eine tolle Erfahrung, dass so etwas auch über mehrere Stunden gelingen kann.

Es gab übrigens auch eine Licht-Installation mit unserem verehrten Einstein – aber dieses Bild ist mir leider nicht gelungen. Nun gut, ohnehin zitieren wir ihn ja oft als Beispiel für geistige Größe und sein Bild ist wahrscheinlich weltweit eines der bekanntesten. Da aber gerade wieder die Nobelpreisträger[2] in allen Disziplinen beweisen, was kluge Köpfe bewirken können, durfte natürlich auch Einstein nicht fehlen.

Und selbstverständlich kam auch der Dom nicht zu kurz, die Kunst wurde gewürdigt – einfach alles, was das Leben wertvoll und schön macht und die menschliche Schaffenskraft würdigt, fand beeindruckende Darstellung. Ich hoffe, liebe Lilli, dass auch Dir diese Bilder viel Freude machen und Dich ein wenig über meine verspätete Antwort hinwegtrösten können.

Denn Bilder sind ja auch im Coaching eines unserer wichtigsten Hilfsmittel um andere zu verstehen und selbst verstanden zu werden. Und damit bin ich in meinen Gedanken schon wieder bei ANNA.

Die konkrete ANNA macht sich (und mir) im Moment das Leben ein wenig schwer: Immer wenn wir auf ihre Ziele, Wünsche und Träume zu sprechen kommen, liefert sie wunderbare Bilder! Und gleich danach kommt ein riiiiisieges ABER!!!

So, als wage sie es nicht, ihre eigenen Gedanken ernst und wichtig zu nehmen. Als müsste sie jeden Gedanken der ihr Freude macht, durch eine Angst oder eine Schwierigkeit relativieren, alles Positive mit etwas gleichgroßem Negativen bilanzieren. Was dabei übrigbleibt, ist eine graue Nullsumme. Und das führt dazu, dass sie sich für keinen ihrer Träume oder Wünsche entscheiden kann, aus keinem ein Ziel abzuleiten imstande ist. Dieser Prozess dauert nun schon einige Wochen. Und meine Bitte, sich auf die Bilder der Hoffnung und des Mutes zu konzentrieren, wird nur sehr zögerlich befolgt. Es wird noch einige Geduld brauchen, bis die „ABER“s kleiner werden. Bei genauerer Betrachtung handelt es sich bei diesen „ABER“s zwar um überwindbare Herausforderungen, aber sie verschwinden eben nicht von allein. Und das Selbstvertrauen, dies in Angriff zu nehmen und so nach und nach mit jeder dieser Schwierigkeiten fertig zu werden, kommt auch nicht über Nacht. Das ist zwar verständlich nach Jahren des Selbstzweifels (und der Verzweiflung), aber daran führt nun mal kein Weg vorbei.





© bei Karin Rasmussen


Zum Glück hat ANNA jetzt schon neue Freunde gefunden und auch erste Erfolge in ihrer neuen Arbeit. Es sind erste Erfolge – es ist also genau wie Du schreibst: „Erst stehen sie mit einem bunten Strauß von Wünschen, Problemen und Zielen vor der Tür. Wir sortieren dann, wo wir anfangen können. Und dann stehen wir mitten in dieser Herausforderung mit diesen bewundernswerten Menschen, die den Mut und Willen haben, ihr Leben zum Besseren zu wenden.“ Wir sind also mitten im Sortieren – und im Ermutigen. Ich bin sehr froh, dass ANNAs neue Freunde diese Arbeit unterstützen, obwohl sie (jedenfalls die meisten von ihnen) gar nichts über mich und meine Coaching für ANNA wissen. Es gibt ja meistens im Leben unsichtbare Helfer. Die Licht-Künstler von „City of Lights“ und „Berlin leuchtet“ gehören ohne es zu wissen auch dazu. Und sie wirken weit über Berlin hinaus.[3]

Auch ANNA bekommt natürlich solche Bilder von mir – und vielleicht antwortet sie dieses Mal mit weniger oder ganz ohne ABER. Danke übrigens für Dein Zitat von Mark Aurel! Ich verwende es auch öfters - denn ich bin überzeugt, dass man bei den meisten Menschen gar nicht tief graben muss, um die Quelle des Guten zu finden.[4] Und wenn ANNA angefangen hat zu glauben, dass es ein natürliches Recht auf das individuelle Glück und die eigene Erfüllung gibt – dann wird auch sie belohnt. Genau wie Du bin ich davon überzeugt, dass es auch für ANNA noch ein richtig gutes Leben geben wird! Ich bin froh und stolz, wenn ich dazu ein kleines bisschen beitragen kann.




© bei Karin Rasmussen


In einigen nächsten Schritten werden wir gemeinsam üben, wie ANNA erfolgreich streiten kann, statt immer wieder verzweifelt nachzugeben. Denn „der Klügere gibt nach“ ist manchmal eine große Dummheit, öfter noch einfach Hilflosigkeit. Und genau so wie um Frieden und Freiheit auch ohne Gewalt gerungen werden kann, können mit der richtigen „Streit-Technik“ viele Konflikte auf klügere Art gelöst werden.[5]

Liebe Lilli, ich wünsche Dir sehr, dass Du bei Deiner Arbeit auch weitergenau so viel Freude und Erfolg hast, wie Du sie in den Briefen Deiner früheren Coachees gefunden hast. Und ich freue mich darauf, etwas über Deine Erfahrungen von Deiner jetzigen Reise zu lesen.

Ich umarme Dich und wünsche Dir immer neue Hoffnungslichter.

Alles Liebe, Deine Karin