Fotos: Dr. Karin Rasmussen, Saskia-Marjanna Schulz, Alexandra Gräfin Dohna

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Samstag, 21. Juli 2012

In die Forschung einsteigen? Oder lieber TUN?


Liebe Lilli,

Meine Hochachtung! Du schreibst: „Bevor ich in die Forschung einsteigen kann, gilt es, unsere aktuellen Arbeiten zu einem guten Ende zu führen.“ 

Klar, ich wusste schon, dass Du verantwortungsvoll mit Deiner Zeit und Deinen Aufgaben umgehst. Aber Dir gelingt offenbar auch etwas, was vielen Hochbegabten schwerfällt, nämlich keine Zersplitterung durch immer neue reizvolle „Ablenkungen“ zuzulassen.

Besonders dann, wenn man mittendrin steckt in einer nun schon vertrauten Aufgabe, wenn das Ergebnis in sicherer Nähe scheint und „nur“ noch ein paar Bausteine fehlen, stürzt mancher sich gern in die nächste aufregende Herausforderung. Es scheint so, als wäre der tatsächliche Abschluss einer Aufgabe, der nachweisbare Erfolg nicht mehr reizvoll genug, um auch diese letzten Schritte zu tun und den Sieg (in Deinem Sinne den Sieg über sich selbst) tatsächlich zu erreichen. Man ist ja sicher, dass man ihn erreichen KÖNNTE!

Woher kommt diese Sicherheit?  Ist es Wunschdenken oder Flucht vor der anstrengenden Alltäglichkeit, z. B. in Form von Prüfungen, Abschlussarbeiten oder Berichten? Ich muss immer schmunzeln bei diesem Zitat: „Jede Tätigkeit des Geistes ist leicht, wenn sie nicht der Wirklichkeit untergeordnet werden muss.“(1) 


Einerseits  ist diese unbeschwerte Leichtigkeit des Geistes eine wichtige Voraussetzung für Kreativität, Innovation und Empathie. Andererseits ist es oft wie in Deinem Beispiel: ein bekannter Fabrikant wollte in seiner Stadt ein Haus für die Öffentlichkeit bauen. Man hatte Euch ein Problem präsentiert. Und die „ganz einfache Hausfrau“ wie sie sich selbst nannte, hatte Euch die Lösung GESCHENKT??? Es war wohl eher die IDEE zu einer Lösung, ein echtes Geschenk, mit Leichtigkeit des Geistes erzeugt, weil unbeschwert von praktischen Grenzen! Und die Umsetzung der Idee war dann wieder mit vielen alltäglichen Mühen und Widerständen verbunden – aber am Ende eben doch mit einem großen Erfolg für viele Menschen. Und weil die Idee ja ein Geschenk gewesen war, wird diese „einfache Hausfrau“ außer in Deiner Erinnerung und vielleicht auch noch im Bewusstsein einiger weniger Betroffener kaum noch Erwähnung finden. 

Denn als LEISTUNG wird selbstverständlich eher die Bereitstellung der Finanzen, die Erstellung des Bauplanes, der Erwerb und die Erschließung des Geländes, der Bau des Hauses, dessen Ausgestaltung und nicht zuletzt die sinnvolle Nutzung, also die mühsame Meisterung des Alltäglichen gewertet. Es ist wieder ein praktischer Beweis für die tiefe Wahrheit unseres gemeinsamen Lieblingsdichters: „Dass sich das größte Werk vollende, genügt ein Geist für tausend Hände.“(2) Nur was wäre dieser Geist ohne die Hände?

Und eben das erleben viele Hochbegabte: Sie haben tolle Ideen, nützliche, sinnvolle, für viele Menschen vorteilhafte Vorschläge – und können diese mit nur ihren eigenen zwei Händen natürlich nicht umsetzen. Aber um die „tausend Hände“ zusammen zu führen, sind sie nicht anerkannt und angepasst genug – und zu „bescheiden“, um es jemals zu werden.

Deshalb bin ich geradezu begeistert von Deiner Idee, die Organisationstalente aufzurufen, ein Netzwerk von Helfern zu bilden, um gute Ideen auch in die Tat umzusetzen.

Ich habe allerdings große Zweifel, dass unter denen, die sich dazu bereit finden, viele Hochbegabte sein werden! Denn HELFEN heißt TUN. Und das scheint mir etwas zu sein, was sich nur wenige Hochbegabte zutrauen oder wünschen. Ich habe für diesen Zweifel mehrere Gründe: Nicht nur, dass bisher nur eine sehr magere Reaktion auf meine Frage zu unserem Forschungsprojekt erfolgte („Lass uns doch gleich diese Frage an unsere LeserInnen stellen: Wer können die möglichen Partner und Geldgeber sein?“). Nein, auch sonst erlebe ich wie Du eher das Gegenteil:

Es beginnt auch bei mir häufig mit: „Sie machen doch sowas mit Hochbegabung.“ Und dann gibt es die Lebensgeschichte. Nun will „man“ als Hochbegabter endlich erzählen, was „man“ alles weiss, kann und schon gemacht hat – und wie wenig das anerkannt wurde. Aber dass man ja eigentlich gar nicht um der Anerkennung willen....

Ja, spät erkannte Hochbegabte kommen schwer aus der Tarnung und wissen meist nicht genau, was sie ändern wollen sollen – sie haben nur das Gefühl, etwas ändern zu müssen. Ist das gefühlte Verpflichtung zur Nutzung der Hochbegabung oder ein Versuch der Selbst-Erlösung aus erlittenem Unverständnis?

Aber eines ist allen gemeinsam: Sie wollen alle gefördert werden! Nur wissen sie selbst nicht wie, von wem und wohin!!! Ist es Neid? „Ich will auch, me too“ – weil die Gerechtigkeit es verlangt? Die anderen kriegen mehr als ich? Oder ist es die erlebte Hilflosigkeit – ich kann alleine nichts bewegen und brauche dringend Hilfe, um die Partner zur Umsetzung meiner Ideen zu finden?

Selbstredend müsste diese Förderung entweder ohnehin freiwillig und kostenlos erfolgen oder schlimmstenfalls vom Staat organisiert und bezahlt werden.

Du schreibst, dass Du im Laufe Deines Lebens immer wieder Menschen getroffen hast, die gerne anderen Menschen helfen. Im Krankenhaus, in einem Hospiz. Oder in Bildungseinrichtungen. Ja, das kenne ich auch. Das wollen auch viele Hochbegabte, die selbst riesige Probleme haben. Bei denen man den Eindruck gewinnen kann, dass Anderen „helfen“ eine Flucht vor den eigenen Problemen ist! Dass sie sich selbst Wichtigkeit beweisen wollen durch Lösungen für die „kleinen“ Probleme der Anderen, und dabei die eigenen Probleme als unlösbar dämonisieren (als Hochbegabter dürfte man doch gar keine Probleme haben)???

Ein grandioser Gedanke, die Einen mit den Anderen zusammen zu bringen. Die Lösungen für die Probleme von Hochbegabten durch Hochbegabte suchen und finden zu lassen! Und dann auch gleich noch das Netzwerk für die „tausend Hände“ zu installieren. „Das Leben selbst führt uns nach und nach, von Fall zu Fall, zu der Wahrnehmung, dass alles das, was uns für unser Herz oder für unseren Geist das Allerwichtigste ist, uns nicht durch vernunftmäßige Überlegung zuteil wird, sondern durch andere Mächte.“ (3)


Genau dafür könnte unser Forschungsprojekt wichtige Anregungen geben. Aufschluss darüber, was Hochbegabte wirklich brauchen um sich ganz und gar zu zeigen. Ohne sie damit in ein bürokratisiertes, abrechnungszentriertes Fördersystem zu zwingen. „Alles, was unseren Geist befreit, ohne uns die Herrschaft über uns selbst zu geben, ist verderblich.“ (4)

Ich hoffe wie Du, dass sich doch noch interessierte LeserInnen finden und melden, die an unserem Forschungsprojekt mitwirken wollen. Oder Helfer für das ganz praktisch-alltägliche Problemlösen auf Hochbegabten-Art. Menschen, die im Sinne Kennedys nicht fragen, was ihr Land für sie tun kann – sondern, die sich fragen, was sie für ihr Land (ihre Mitbürger/innen) tun können.


„Andere Menschen sind Objektive, durch die wir unseren eigenen Geist lesen.“ (5)


Und auch wir werden gemeinsam weiter denken und planen.


Liebe Lilli, auch wenn wir beide wegen anderer Aufgaben im Moment nicht in großen Schritten mit unserem Forschungsprojekt vorankommen und von dem versprochenen, nun endlich kommen sollenden, Sommer kaum etwas haben werden, so bin ich doch glücklich über unseren Gedankenaustausch. Ich wünsche Dir viele tatkräftige Partner und Helfer, beglückende „Siege“ und gelegentlich doch umfassende Erholung

Herzlichst
Deine Karin


(1) Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bde. 1-3, 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2000, S. 2114 (Sodom und Gomorra)   ISBN: 3518397095

(2) Johann Wolfgang von Goethe: Werke - Hamburger Ausgabe Bd. 3, Dramatische Dichtungen I, Faust II, 11. Aufl. München: dtv, 1981, S. 346 (Mitternacht, 11509-10)      ISBN: 3423590386

(3) Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bde. 1-3   Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2000, S. 3326

(4) Johann Wolfgang von Goethe, Werke - Hamburger Ausgabe Bd. 8, Romane und Novellen III, Wilhelm Meisters Wanderjahre

(5) Ralph Waldo Emerson, Essays and Poems
(Original englisch: Other men are lenses trough which we read our own minds.)
Ralph Waldo Emerson: Essays and Poems, New York: Barnes & Noble, 2004, S. 281

Sonntag, 8. Juli 2012

Wie eine Hausfrau den Lebenstraum eines Fabrikanten rettete


Liebe Karin,

grossartig! Ganz Grossartig! Wie Du Dich begeistern kannst. Ich spüre die Forschungsfreude durch Deine Zeilen hindurch. Das wirkt auf mich sehr ansteckend. 

Obwohl ich dazu einen kleinen Wertmutstropfen beitragen muss: Ich habe die Verantwortung für laufende Projekte – und vor allem für die Menschen, die in diese Projekte eingebunden sind. Bevor ich in die Forschung einsteigen kann, gilt es, unsere aktuellen Arbeiten zu einem guten Ende zu führen.

Aber wir können gemeinsam weiter denken und planen. So bin ich dankbar, dass Du den Appell an unsere Leserinnen und Leser gegeben hast: Wenn Sie Lust und Zeit haben an diesem Projekt mitzuarbeiten, so schreiben Sie uns per Mail. Danke, dass nun alle diese Mails bei Dir auflaufen dürfen.

Du hast so eine praktische Ader – das liebe ich an Dir: „Lass uns doch gleich diese Frage an unsere LeserInnen stellen: Wer können die möglichen Partner und Geldgeber sein?“

Und Du hast so etwas Selbstverständliches: „Tatsächlich werden so auch Träume in manchmal zähem Ringen mit dem Gewohnten, Althergebrachten verwirklicht. Sie werden zu Zielen von sozialen, kulturellen, politischen Bewegungen. Und diese Ziele motivieren und verbinden. Nicht nur im Großen, oft auch in kleinen Alltäglichkeiten.“

Das Alltägliche. Genau. Dazu möchte ich Dir eine Geschichte von einem hochbegabten Mann erzählen. Nennen wir ihn „Herrn Müller“.  Es dauerte vier oder fünf Telefongespräche bis ich erfahren konnte, was  Herr Müller mir sagen wollte. Solche Art von Gesprächen kommen mit schöner Regelmässigkeit. Und ich denke: Du wie auch unsere Kolleginnen und Kollegen erleben ähnliches.

Es beginnt mit: „Sie machen doch sowas mit Hochbegabung.“ Und dann gibt es schüchtern verpackte Informationen. Und schliesslich – wenn Vertrauen gefasst wurde – gibt es die Lebensgeschichte. Nun darf „man“ als Hochbegabter auch erzählen, was „man“ alles weiss, kann und schon gemacht hat. Es sind übrigens bis jetzt immer die Männer, die so etwas verhalten um nicht zu sagen sybillinisch – geheimnisvoll-rätselhaft – daherkommen.

Herr Müller erzählte mir von seinen Erfindungen. Und wie diese Erfindungen Arbeitsplätze geschafft und besseres Leben ermöglicht haben. Und nun brauche er selbst Hilfe, um sein Leben selbst in den Griff zu bekommen. Trotz ärztlicher Betreuung käme er nicht so richtig von der Stelle.

Er wirkte etwas chaotisch. Diffus. Hilflos. Fragen wollte er nicht wirklich beantworten. Was wollte er?

Es schien, dass er einen Menschen suchte, der ihm aufmerksam zuhörte. Zunächst. Aber irgendwann konnte er es auf den Punkt bringen: Förderung. Er wollte gefördert werden. Als hochbegabter Mensch - doch irgendwie wie ein Kind, das an die Hand genommen werden will. Mir fiel unweigerlich der Spruch ein: „Eine 1+ in Mathe – aber die Schuhe nicht alleine zubinden können.“

Selbstredend sollte diese Förderung vom Staat organisiert und bezahlt werden.

Ein paar Tage später sass ich im Zug. Wieder einmal musste die Fahrt unterbrochen werden, weil ein Mensch sich auf dieser Strecke das Leben genommen hatte. Warum kann so vielen Menschen nicht geholfen werden?

Ich weiss nicht warum, aber ich musste an Herrn Müller denken. Er schien so unfassbar nach einer „Dea ex macchina“  zu suchen. Wie die Iphigenie von Euripides?  Die in der gleichnamigen Tragödie von einer Gottesgestalt in die Freiheit geführt wurde. Ein Happy End wie im Märchen?

Ich fragte mich, ob es nicht irgendwo einen Menschen geben würde, der ihm helfen könnte.

Im Laufe meines Lebens habe ich immer wieder Menschen getroffen, die gerne anderen Menschen helfen. Im Krankenhaus, in einem Hospiz. Oder in Bildungseinrichtungen.

Wieder andere Menschen würden es gerne tun. Aber ihnen fehlt das Selbstbewusstsein. Der Mut. Die Courage. Sie sagen: Wer bin ich schon? Ich – ich bin doch nur eine einfache Hausfrau. Was kann ich denn schon tun?

Dazu möchte ich Dir eine Geschichte erzählen, die ich Ende der 80er Jahre erlebt habe. Eines Tages klopfte ein Marketingleiter an unsere Tür. Er hatte irgendetwas von mir gelesen und meinte, ich könne ihm helfen. Sein Chef – ein bekannter Fabrikant in seiner Stadt – wollte sich einen Lebenstraum erfüllen. Er wollte ein Haus für die Öffentlichkeit bauen. Es sollte ein ganz besonderes Haus sein. Originell. Einladend. Ein offenes Haus für viele Menschen.

Irgendwie kam der Plan ins Stocken. Und von uns wurde nun erwartet, dass wir  eine Lösung liefern. Ich hatte damals eine neue Methode in der Marktforschung entwickelte und so bot ich ihm an, seine Fragen in unsere Testreihe einzuarbeiten. Mit dem Einverständnis der Probandinnen (Hausfrauen) filmten wir, damit die Diskussionsentwicklung gut nachvollziehbar wurde.

Wir waren mitten drin als ich fragte: „Und wie sollte ein solches Haus aussehen?“ Pause. Dann – wie aus der Pistole geschossen eine der anwesenden Hausfrauen: XYZ (Beschreibung des Hauses)! Ich habe heute noch Gänsehaut, wenn ich an diese Antwort denke. Genial! Und sie schob noch hinzu: Und es sollte genau da und da stehen! Applaus von der ganzen Gruppe. Der Filmmensch hatte Tränen in den Augen.
                                                                                               
Bauaufsicht? Ordnungsamt? Denkmalschutz? Kein Gedanke daran. Ob eine solche Form des Hauses erlaubt sein würde? Keine Frage. Ob dieses Grundstück frei war? Bezahlbar? Unbeirrt blieb die Hausfrau bei ihrer Idee.

Man hatte uns ein Problem präsentiert. Und eine Hausfrau hatte uns die Lösung geschenkt. Eine „ganz einfache Hausfrau“ wie sie sich selbst nannte. Keine Architektin im Mutterschutz. Keine Denkmalschützerin. Keine Kunststudentin.

Du kannst es Dir schon denken: Das Haus wurde gebaut. Genauso wie die Hausfrau es beschrieben hatte. Es steht genau an dem Platz, den sie ausgesucht hatte. Und es gibt in dieser Stadt kaum ein Kind, das dieses Haus nicht kennt. Alle lieben es.

Und Du wirst auch schon wissen, warum ich Dir die Geschichte erzählt habe: Geschätzte 99% der Hochbegabten wissen nicht, dass sie hochbegabt sind. Aber hin und wieder bricht es dann doch durch. Ganz selbstverständlich. Bei Hausfrauen, Postbeamten, Verkäuferinnen, Altenpflegern, Polizistinnen, Rentnern, Hebammen, Lehrern, Fluglotsinnen, Bankern, Friseurinnen, Fotografen, Tierärztinnen …

Das erinnert mich an den „Panther“ von Rilke:

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe 
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, 
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille 
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.“

Manchmal zeigen sich die Hochbegabten. Mag sein, dass ein Stimulus sie weckt. Oder ihre innere Stimme sie ruft. Dann stehen sie auf. Fast überrascht von sich selbst. Und überrascht, dass andere Menschen das nicht genau so sehen können. Und in dem nahenden Bewusstsein, eine Sternminute ausgelöst zu haben, verschliessen sie sich wieder.

Ach könnte man sie doch locken, sich ganz und gar zu zeigen.

Und nun schliesst sich der Kreis zu Herrn Müller. Und zu all den anderen, die sich immer wieder an Menschen wenden, die „etwas mit Hochbegabung zu tun haben“.

Es gibt nicht nur die Menschen, die Hilfe suchen. Es gibt auch die, die gerne helfen würden. Die es können. Die sich gerne die Zeit nehmen würden. Denen aber hier und da der Mut fehlt auf eben diese Menschen zuzugehen. Oder die nicht wissen, dass es solche Hilfesuchenden gibt.
                                                                              
Ich möchte hiermit anregen, dass sich die Organisationstalente angesprochen fühlen. Die Frauen und Männer, die wissen wie ein solcher Kreis aufgebaut und geführt werden kann. Die im Sinne Kennedys nicht fragen, was ihr Land für sie tun kann – sondern, die sich fragen, was sie für ihr Land (ihre Mitbürger/innen) tun können. Die Menschen, die eine Leidenschaft spüren und anderen bei der Geburt ihrer Talente zur Seite zu stehen wollen. Bis sie alleine auf den eigenen Talentfüssen stehen können. Ich möchte diesen Menschen sagen: Liebe Menschen! Bitte melden. Hochbegabte warten schon auf Sie!

Ich wünsche mir, die Menschen können gerade diesen Appell von Goethe hören: „Habt doch endlich einmal die Courage, euch den Eindrücken hinzugeben, euch ergötzen zu lassen, euch rühren zu lassen, euch erheben zu lassen, ja euch belehren und entflammen zu lassen.“

Liebe Karin, und damit bin ich auch schon beim „Siegen“. Denn mein Siegen hat etwas mit dem „Siegen über sich selbst“ zu tun. Ich könnte auch sagen: Über den eigenen Schatten springen. Wie oft haben wir uns etwas vorgenommen. Wie oft wollten wir uns etwas angewöhnen, abgewöhnen oder einfach „es tun“. 

Und wie zufrieden sind wir, wenn wir es endlich erreicht haben. Das kann ganz alltägliche Lebensumstände betreffen: Den Keller aufräumen, wieder mit dem Sport anfangen oder endlich den einen wichtigen Brief schreiben. Sich selbst besiegen. „Es“ endlich geschafft zu haben. Ist das nicht ein Sieg, den wir uns alle wünschen? Pedro Calderón de la Barca sagte einmal: „Der größte Sieg: sich selbst besiegen.“

Aber auch im Sport und Spiel darf es für mich um Siege gehen. Oder auch um Siege im Sinne Platons: „Kultur ist der Sieg der Überzeugung über die Gewalt.“ 
Ach, Karin. Ich denke, darüber werden wir wohl noch mal diskutieren.

Herzlichst
Deine Lilli

Sonntag, 24. Juni 2012

Traum? Forschung!


Liebe Lilli,

danke für Deine wunderbare Antwort. Ja, ich fühle wie Du: Es gibt viele große Vorbilder, die scheinbar Unvorstellbares erreichbar gemacht haben. 

Fast immer, indem sie ihre Träume für viele vorstellbar erklärt und damit die „Kraft der Massen“ mobilisiert haben. Tatsächlich werden so auch Träume in manchmal zähem Ringen mit dem Gewohnten, Althergebrachten verwirklicht. Sie werden zu Zielen von sozialen, kulturellen, politischen Bewegungen. Und diese Ziele motivieren und verbinden. Nicht nur im Großen, oft auch in kleinen Alltäglichkeiten. 

Warum sollen nicht auch die Hochbegabten solche gemeinsamen Träume und Ziele haben? Es lohnt sich bestimmt, das genauer zu erforschen. Wir werden daran arbeiten! Und ich bin ziemlich sicher, dass dabei Träume und Ziele zum Wohle aller Menschen sichtbar werden, denn die „Träume“ einzelner machtbesessener Alleinherrscher – ob in der Politik oder in Unternehmen – werden nach meiner Erfahrung von hochintelligenten Menschen nicht geteilt. Im Gegenteil, sie werden kritisch hinterfragt und dann abgelehnt und bekämpft werden. Das gibt mir die Hoffnung, bei unserer Forschungsarbeit viele interessante Anregungen für die Gestaltung einer wirklich besseren Welt zu erhalten.

Du sagst mir Deine Ziele:
Die Hochbegabten wissen, dass sie hochbegabt sind.
Die Hochbegabten wertschätzen, dass sie hochbegabt sind.
Die Hochbegabten holen ihre Hochbegabung aus dem Versteck.
Die Hochbegabten leben ihre Hochbegabung.

Auch ich stelle mir gerne vor: Menschen können entspannt mit sich und anderen umgehen: mit der wertgeschätzten Individualität des jeweils anderen. Mit Talenten, Begabungen, Charakterstärken. Und – so möchte ich ergänzen – auch mit Schwächen oder vermeintlichen Defiziten. Aber wenn es doch mal Spannungen gibt (Du weißt ja: Widersprüche sind die Triebkraft des Fortschritts), dann können sie diese kooperativ und friedlich lösen. Welch uralte Vision!

Dein Zitat von Paulo Coelho aus seinem Buch ‚Der Dämon und Fräulein Prym‘ beschreibt die gegenwärtige Situation der meisten Menschen in Bezug auf Hochbegabung:


„Sie hatte herausgefunden, dass es zwei Dinge gibt, die einen Menschen daran hindern, seine Träume zu verwirklichen: der Glaube, sie seien ohnehin unerfüllbar, oder wenn diese durch eine unerwartete Drehung des Schicksalsrades plötzlich doch erfüllbar werden. In solchen Augenblicken bekommt man Angst vor einem Weg, von dem man nicht weiß, wohin er führt, vor einem Leben voller unbekannter Herausforderungen, davor, dass vertraute Dinge für immer verschwinden könnten.“

Ich hoffe sehr, wer sie hat,  überwindet die Angst vor der eigenen Größe. Frei nach Hermann Hesse meinst Du: Wenn wir wollen und uns zu uns bekennen, werden wir siegen. Nun – mit dem „Siegen“ habe ich ehrlich gesagt ein Problem. Denn das bedeutet in meinen Augen die Niederlage für andere. Und es setzt ein Feindbild voraus. Gewissermaßen als Rechtfertigung für einen solchen Sieg. Doch damit wäre die latent spürbare Feindseligkeit und Ablehnung gegenüber Hochbegabten ja erst recht legitim. Wollen wir das?

Wenn wir uns gegen Ungerechtigkeiten wehren, können wir die Verhältnisse ändern. In diesem Sinne kann ich Fortschritt erkennen – das wäre gewissermaßen ein Sieg über Unzulänglichkeiten der Kultur, der gesellschaftlichen Situation und des Umgangs miteinander. Ich bin überzeugt, das geht friedlich auf dem Wege der Erkenntnis! Und dazu tragen wir beide und zahlreiche Hochbegabte mit ihren Verbündeten bereits in vielfältiger Weise bei, z. B. in Veröffentlichungen, in Veranstaltungen von Vereinen (1), in Camps, Akademien (2) und Workshops, aber auch im Internet, in Blogs, bei Twitter und in Foren.

Saskia-Marjanna Schulz und Du riefen im Juni 2006 das Forum „Hochbegabung - Drama oder Erfolgsstory?“(3) ins Leben. In diesen Tagen im Juni 2012 sind es schon 12.500 Beiträge, bald werden es  3.000 Foristi sein, aus allen Kontinenten dieser Erde. In nur 6 Jahren hat sich die Zahl der Nutzer in diesem Multilog enorm vervielfacht – und deren kulturelle Vielfalt ist gewaltig.
Klar, Hochbegabung ist kein nationales Thema der Deutschen, es ist ein weltumspannendes Phänomen. Zum Glück! Dank Internet können immer mehr Interessenten erreicht werden, der Gedanken- und Ideenaustausch kann frei und schnell erfolgen (wenn auch noch nicht überall und für jeden) und dadurch wird jetzt sichtbar: Die Frage „Was wollen Menschen und wie kann man das erreichen?“ hat nicht nur Dein ganzes Leben begleitet. Schon unter Kindern wird darüber diskutiert. Welch positive Entwicklung! Lass uns das tiefer erforschen und erfragen.

Du meinst, um die Fragen „Was wollen Hochbegabte? Wo drückt der Schuh? Und wie stellen wir eine Situation her, von der diese Menschen träumen?“ angemessen beantworten zu können, werden wir weitere professionelle Hilfe brauchen. Ja, auch ich denke da an eine Universität und an die Zusammenarbeit mit einem privaten Forschungsinstitut.

Lass uns doch gleich diese Frage an unsere LeserInnen stellen: Wer können die möglichen Partner und Geldgeber sein? Staatliche Organisationen, europäische Einrichtungen, Stiftungen, Wirtschaftsunternehmen, Privatpersonen? Welche Interessen haben diese Personen und Institutionen, sich mit unseren Zielen auseinander zu setzen? Welche Eigeninteressen werden sie verfolgen? Inwieweit sind diese mit unseren kompatibel? Wo sind unsere Gemeinsamkeiten? Denn bestimmt treffen uns hier einige Hochbegabte, die an entsprechenden Einrichtungen tätig sind, Persönlichkeiten kennen und Empfehlungen für uns haben. Unsere LeserInnen können uns ihre Tipps ja problemlos über unsere Mailinglinks zusenden. Vielleicht finden sich sogar EnthusiastInnen, die an unserem Forschungsprojekt mitwirken möchten?

Wir werden natürlich auch selbst bei Partnern, Freunden und Verbündeten anfragen. Wir werden neue Kontakte suchen und finden. Wir werden also Gespräche führen, um das Forschungsbudget auf die Beine zu stellen. Und dann werden wir vielleicht unsere Studie mit einem Pilotprojekt „Forschungsdorf“ starten. Dort können wir sowohl mit Hochbegabten als auch mit Fachexperten in kurzer Zeit viel neues Wissen zusammentragen.

In der Folge – oder auch schon im ersten Workshop? – springen wir eventuell gedanklich ins Jahr 2022 und schauen auf die Eindrücke, die Frauen und Männer dann vom Thema Hochbegabung haben können. Werden sie auch dann noch Hochbegabt hören und Hochleistung denken?


Werden sie als „Leistung“ etwas anderes verstehen als heute? Wird auch dann noch Neid im Spiel sein, der für die Betroffenen wohl immer unangenehm ist? Wird man noch immer lieber verstecken, was einen außergewöhnlich macht, um nicht aufzufallen? Das ist wohl bei Reichen noch möglich – bei Hochbegabten schon komplizierter und bei Schönheiten eher unmöglich.


Unsere Forschung wird auch zeigen, ob es den eigentlich Außergewöhnlichen gefällt, bescheiden aufzutreten. Einfach weil sie sich wohl fühlen in Jeans, schwarzem Rolli und Turnschuhen, in der letzten Reihe und im Refugium ihres privaten Chatrooms. Und ob sich dahinter wirklich Bescheidenheit verbirgt oder eher Angst vor Ablehnung und seelischer Verletzung. Auch ich bin jetzt schon sehr gespannt, was unsere Studie dazu sagen wird.

Du meinst: Das klingt alles ganz schön verrückt mit diesem Traum und dieser Studie? Na klar, das ist ja gerade das Reizvolle! Und wir wissen beide aus Erfahrung, dass es klappen kann! Wir haben sicher jetzt schon Mitstreiter, die nur auf unseren Startschuss warten. Ich bin gespannt auf die Mails, die uns in den kommenden Tagen erreichen. Von wem und von wo kriegen wir die ersten Tipps, Anfragen, Vorschläge? Es wird vielleicht ganz anders laufen als bei Deiner 1000- Teilnehmer- Passantenbefragung in Köln mit 50 Managern, aber es wird gut laufen. Davon bin ich überzeugt. Und für die Präsentation der Ergebnisse danach wird es viele Interessenten geben.

Liebe Lilli, der Sommer ist da,  die Ideen sprudeln und es macht Spaß, mit immer neuen Verbündeten an der Verwirklichung dieser Träume zu arbeiten. Die Fußball-EM ist dabei eine inspirierende Kulisse. Vor allem freue ich mich immer wieder über den „RESPECT!“- Aufdruck auf den Ordnerwesten. Da hat einer, den wir gar nicht persönlich kennen, schon mal unseren Traum mitgeträumt – vielleicht ist es schon längst ein Menschheitstraum, der nur noch auf die Hochbegabten angewandt werden muss?

Ich wünsche Dir sonnige Tage, intensive Erholung und (wie mir auch) viele inspirierende Nachrichten von unseren LeserInnen

Sei herzlich gegrüßt
Deine Karin



________________________________________
(1) http://www.mensa.de/aktivitaeten
(2) http://mind-akademie.de/index.php/ueberblick
(3) https://www.xing.com/net/hochbegabung

Sonntag, 10. Juni 2012

Karin, ich habe einen Traum!


Liebe Karin,

ich finde das echt cool, wie Du die Situationen analysierst. Und ich freue mich über die Gemeinsamkeit. Forschung ist auch meine Leidenschaft.

Liebe Karin, ich habe einen Traum. Und ich erinnere mich an andere Menschen, die Träume hatten. Ich erinnere an den 28. August 1963 als ein afroamerikanischer Mann [1] vor dem Lincoln Memorial in Washington D.C. eine Rede hielt. Er sprach von der Ungerechtigkeit, die Menschen mit schwarzer Hautfarbe erleiden müssen. Er sprach davon, dass „unsere müden Leiber nach langer Reise in den Motels an den Landstraßen und den Hotels der großen Städte keine Unterkunft finden.“ Er sprach davon, dass „unsere Kinder ihrer Freiheit und Würde beraubt werden durch Zeichen, auf denen steht: ‚Nur für Weiße‘.

Damals sagte dieser afroamerikanischer Mann: „Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können.“

Knapp 50 Jahre später sehen wir, dass aus diesem Traum Wirklichkeit geworden ist.

Ein anderer Traum, den Menschen träumten, ging schneller in Erfüllung. Nach langem, zähem Ringen. Aber dann fast schon über Nacht. Ich denke an die Zeit der atomaren Hochrüstung und an die Friedensdekade von 1980. Ich denke an die wöchentlichen Friedensgebete in der Nikolaikirche [2] . Und ich denke an die Montagsdemonstrationen in Leipzig – später auch in anderen Städten wie etwa in Dresden, Magdeburg, Rostock, Potsdam und Schwerin. Das Ziel: „Wir sind ein Volk!“ 1990 fiel die Mauer.

Was ist das Ziel der Hochbegabten? Wir wissen es noch nicht. Wir werden daran arbeiten, es in Erfahrung zu bringen. Aber wir haben schon einmal Dein (vorläufiges) Ziel für die Hochbegabten: „Ich wünsche mir zunächst einfach nur mehr sachkundiges Verständnis für ‚die Hochbegabten‘. Damit meine ich tatsächlich mehr Wissen über das Phänomen Hochbegabung in den Köpfen der Allgemeinheit.“

Und nun sage ich Dir meine Ziele:

Ich stelle mir vor: Die Hochbegabten wissen, dass sie hochbegabt sind.

Ich stelle mir vor: Die Hochbegabten wertschätzen, dass sie hochbegabt.

Ich stelle mir vor: Die Hochbegabten holen ihre Hochbegabung aus dem Versteck.

Ich stelle mir vor: Die Hochbegabten leben ihre Hochbegabung.

Ich stelle mir vor: Menschen können entspannt mit sich und anderen umgehen: mit der wertgeschätzten Individualität des jeweils anderen. Mit Talenten, Begabungen, Charakterstärken.

Paulo Coelho schreibt in seinem Buch ‚Der Dämon und Fräulein Prym‘:
„Sie hatte herausgefunden, dass es zwei Dinge gibt, die einen Menschen daran hindern, seine Träume zu verwirklichen: der Glaube, sie seien ohnehin unerfüllbar, oder wenn diese durch eine unerwartete Drehung des Schicksalsrades plötzlich doch erfüllbar werden. In solchen Augenblicken bekommt man Angst vor einem Weg, von dem man nicht weiß, wohin er führt, vor einem Leben voller unbekannter Herausforderungen, davor, dass vertraute Dinge für immer verschwinden könnten.“

Überwinden wir unsere Angst vor der eigenen Grösse. Frei nach Hermann Hesse bedeutet dies, dass wir keine Angst haben, wenn wir mit uns selbst „einig“ sind. Holen wir unseren Mut aus dem Keller. Holen wir unsere Stärke aus dem Trockner und unser Selbstbewusstsein vom Dachboden. Wenn wir wollen und uns zu uns bekennen, werden wir siegen. Selbst dann, wenn wir zwischendurch mal hinfallen. Wir müssen einfach wieder aufstehen. Wie sagte es Jawaharlal Nehru?Wir scheitern nur, wenn wir unsere Ideale, Ziele und Prinzipien vergessen.“ Setzen wir uns Ziele. Holen wir die Träume aus unserem Tagebuch. Und erinnern wir uns an unsere Prinzipien.

Wer sagt eigentlich, dass das nicht möglich ist?
Barack Obama hat kein Monopol auf „Yes, we can!“.

Menschen mit einem IQ > 130 werden vielleicht nicht für die Interessen der Hochbegabten auf die Strasse gehen. Aber sie demonstrieren schon. Und sie erheben ihre Stimme. Für ihre Ziele und gegen Ungerechtigkeiten. Diese Demonstrationen spielen sich z. B. im Internet ab. In Blogs, bei Twitter und in Foren. Und Du kannst förmlich sehen, wie sich immer mehr hochbegabte Menschen anschliessen, um ihre Interessen und Rechte ins Licht zu rücken.

Als Saskia-Marjanna Schulz und ich im Juni 2006 das Forum „Hochbegabung - Drama oder Erfolgsstory ?“[3] eröffneten, waren wir eine Handvoll Menschen, die sich über dieses Thema austauschen wollten. Bis dahin liefen die Hochbegabung betreffenden Fragen per Mail oder Anruf bei uns ein – wir recherchierten die Antworten. Gaben die Tipps und Hilfen dann weiter. Nach einer Weile dachten wir: Das geht auch einfacher. Und riefen dieses Forum ins Leben. Da die Mitgliedschaft zwar kostenfrei ist, aber nur wenige sich für das Thema interessierten, blieben wir erst einmal eine klitzekleine Gruppe. Ein paar Menschen aus dem Rheinland, aus der Gegend um Bremen und aus Baden-Württemberg.

Ich träumte davon, dass wir 100 sein würden. Wow, 100 Menschen, die sich über Hochbegabung austauschen können. Wie kühn! So dachte ich damals.

Und dann sprach man plötzlich über das Forum. Es hiess: Hier kann man Menschen fragen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Hier kann man Berichte lesen, schreiben und erkennen: Es geht nicht nur mir so. Auch die etwas Schüchternen wollten mitdiskutieren. Hochbegabte schrieben uns: „Ich habe im Forum meine geistige Heimat gefunden. Endlich!“ Luxemburg kam hinzu. Und Menschen aus den Niederlanden, aus der Schweiz.

In diesen Tagen im Juni 2012 sind es rund 12.500 Beiträge und ich denke, bald werden es  3.000 Menschen sein: aus allen Kontinenten dieser Erde.

Und aus Dialog wurde ein Multilog.
Multilog. Gefällt mir gut. Du beschreibst das so schön. Danke dafür.

Die Frage „Was wollen Menschen und wie kann man das erreichen?“ hat mich mein ganzes Leben begleitet. Schon als Schülerin habe ich erste Fragebogen-Aktionen durchgeführt und mit anderen über die Ergebnisse diskutiert.

Um die Fragen „Was wollen Hochbegabte? Wo drückt der Schuh? Und wie stellen wir eine Situation her, von der diese Menschen träumen?“ angemessen beantworten zu können, werden wir weitere professionelle Hilfe brauchen. Ich denke da an eine Universität in Zusammenarbeit mit einem privaten Forschungsinstitut.

Deshalb wird eine der nächsten Fragen sein: Wer können die möglichen Partner und Geldgeber sein? Staatliche Organisationen, europäische Einrichtungen, Stiftungen, Wirtschaftsunternehmen, Privatpersonen? Welche Interessen haben diese Personen und Institutionen, sich mit unseren Zielen auseinander zu setzen? Welche Eigeninteressen werden sie verfolgen? Inwieweit sind diese mit unseren kompatibel? Wo sind unsere Gemeinsamkeiten? Usw. usw. usw.

Wir dürfen bei Partnern, Freunden und Verbündeten anfragen. Wir werden neue Kontakte suchen und finden. Wir werden also Gespräche führen, um das Forschungsbudget auf die Beine zu stellen.

Und uns noch einmal an Paulo Coelho erinnern, der im Alchimist sagte: „Erst die Möglichkeit, einen Traum zu verwirklichen, macht unser Leben lebenswert.“

Ich freue mich so, dass Dir der Dorf-Gedanke gefällt. Danke dafür. Wir werden wohl mit einem Pilotprojekt starten und dann in Serie gehen.

Image. Image. Image. Springen wir doch einfach mal ins Jahr 2022. Es mag sein, dass es so ist wie Du sagst: die Hochbegabung ‚braucht‘ dann kein besonderes Image mehr. Aber sie wird eins ‚haben‘. Wie jede Person, Gruppe, jede Stadt, jedes Land, jeder Kontinent ein Image hat. Image als Gesamteindruck – vor allem basierend auf den Eindrücken, die Frauen und Männer von diesem Thema haben.

Ist es heute nicht so, dass Menschen eher verhalten reagieren angesichts der Hochbegabung? Möglicherweise werden sie sich daran erinnern, dass andere in der Schule besser waren. Dass andere den tollen Job bekommen haben oder die Aufmerksamkeit der Sympathieträger. Hochbegabt werden sie hören – und Hochleistung werden sie denken. Und dann kommt auch noch Neid ins Spiel. Klar: Da sind Menschen, die etwas haben, das man selbst gerne hätte. Und meint, es nicht bekommen zu können.

Schönheiten, Multimillionäre und Hochbegabte werden ob ihrer Begabung bzw. ihres Zustandes oft beneidet. Das ist für die Betroffenen nur selten angenehm. Vielmehr kann das auf Dauer sehr unangenehm sein. Was tun diese Menschen deshalb? Sie „verstecken“ ihre Begabungen und Gaben.

Dies mag ein Schutz sein. Es mag aber auch so sein, dass es ihnen gefällt, bescheiden aufzutreten. Einfach weil sie sich wohl fühlen in Jeans, schwarzem Rolli und Turnschuhen.

Der Zeitgeist ‚Bescheidenheit‘ ist nicht neu. Der Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforscher e.V.  sagte bereits in den 70er Jahren  das Lebensgefühl ‚Bescheidenheit‘ voraus. Die deutsche VOGUE startet die 90er Jahre mit einer umfassenden Reportage zur neuen Bescheidenheit. Und viele folgten ihr.

Hochbegabte Menschen mit ihrer feinen Wahrnehmung für Zeitströme mögen sich schon seit längerem an diesem Geist angeschlossen fühlen. Und so kann es sein, dass ihr Sensorium bewusst oder unbewusst auf dieser Welle surft. Nicht Selbstverleugnung ist dann das Thema, nicht “Licht-unter-den-Scheffel-stellen“ sondern ganz einfach der Tanz in der Zukunftsmusik.

Ich denke, ich muss da meinen Geist etwas weiter aufmachen und über die Frage ‚Kann es  sein, dass viele erwachsene Hochbegabte ihre Talente ablehnen?‘ hinauswachsen. Vielleicht ist auch beides richtig: Talentablehnung UND Zeitgeisterleben?

Natürlich ist es nicht wirklich lustig, von anderen Menschen beneidet zu werden. Wer sich als hochbegabt geoutet hat, wird nicht selten mit Spott und Häme verfolgt, wenn mal nicht alles so läuft wie geplant. Frei nach dem Motto: Hochbegabte MÜSSEN auch Hochleister sein und sowieso alles wissen und können. IMMER.

Und gerade diese Polemik möchte man vermeiden angesichts von Pannen, Pech und Problemen. Wenn schon kein Mitgefühl – dann wenigstens nicht noch diese Schadenfreude.

Also lieber schweigen? Nun ja: Auch Multimillionäre kommen zumeist nicht daher und legen ihre Kontoauszüge auf den Tisch. Deshalb denke ich: Es kommt darauf an. Wer stark, selbstsicher und unerschütterlich ist (wer ist das schon?) – der mag es sich eher gönnen als der, der etwas schüchtern ist, hochsensibel und dessen Grad der Hochbegabung nicht mit dem seiner Eloquenz korreliert. Es kommt auf die Menschen an und wie sie mit Situationen umgehen können und wollen. Ich bin jetzt gespannt, was unsere Studie dazu sagen wird.

Tja, die Studie. Manchmal denke ich schon: Das klingt alles ganz schön verrückt mit diesem Traum und dieser Studie. Wenn es nun anders läuft als ich denke?

Und dann erinnere ich mich daran, dass ich einmal eine Studie ehrenamtlich in einer Woche realisiert habe. Einschliesslich Präsentation beim OB von Köln. Mit Hilfe von 50 Managern, die ebenfalls ehrenamtlich gearbeitet haben. Einen Tag lang blieben 50 Chefsessel in Köln leer. Weil die Jungs und Mädels mit mir auf die Strasse gegangen sind. Die haben sogar erst noch eine Schulung über sich ergehen lassen müssen. Bevor sie hinaus durften: Passantenbefragung für einen guten Zweck. Mir geht heute noch das Herz auf, wenn ich daran denke. Und mit all diesen wunderbaren Menschen haben wir doch tatsächlich an einem Tag in Köln auf der Schildergasse 1000 Passanten befragt. Nachts haben wir die Fragebogen kontrolliert. Und beim ersten Hahnenschrei waren wir schon im Rechenzentrum der Uni. Abends hatten wir die Ergebnisse. Und meine Partnerin durfte im Rathaus die Ergebnisse diskutieren.

Ach, ich denke: Das geht schon. Mit der Uni und dem Forschungsinstitut und all den Menschen, die jetzt schon an unserer Seite sind.

Der Philosoph Stanislaw Lem sagte einmal: „Das Fliegen wird erst möglich, wenn zuvor vom Fliegen geträumt wurde.“ Träumen wir also und fiebern wir dem Start entgegen -  dem Ready for take-off!

Freust Du Dich auch so auf die EM? Oder lieber Wannsee? Dir wünsche ich eine spannende und eine entspannte Zeit.

Herzliche Grüsse
Deine
Lilli




[1] Martin Luther King Jr. erhielt 1964 den Friedensnobelpreis http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/peace/laureates/1964/
[2] Der 9. Oktober 1989 aus Sicht der Nikolaikirche
[3] Internetforum Hochbegabung - Drama oder Erfolgsstory ? https://www.xing.com/net/hochbegabung

Sonntag, 27. Mai 2012

Reale Wunder


Liebe Lilli,

danke für Deinen wieder sehr gehaltvollen Brief! Du bist – trotz Deiner Belastung im Beruf – mit Deinem Denken unserer Zeit einfach immer wieder ein ganzes Stück voraus. 

Ich frage mich, ob wir jemals genügend Zeit und engagierte Partner finden werden, um auch nur einen Bruchteil Deiner Ideen einer Verwirklichung näher zu bringen. Aber vielleicht hilft ja der Glaube an Wunder tatsächlich, in der realen Welt etwas zu bewegen, was ohne diesen Glauben einfach keiner tun würde. Du fragst:
Was ist unser Ziel?
Was wünschen sich die Hochbegabten?
Was ist Dein Ziel für die Hochbegabten?

Nun, die letzte Frage kann ich Dir zwar nur vorläufig, aber sehr realitätsnah beantworten: Ich wünsche mir zunächst einfach nur mehr sachkundiges Verständnis für „die Hochbegabten“. Damit meine ich tatsächlich mehr Wissen über das Phänomen Hochbegabung in den Köpfen der Allgemeinheit. Zu oft wird der Begriff in zu vielen verschwommenen Bedeutungen gebraucht. Und viel zu oft muss „die Hochbegabung“ herhalten als vermeintlicher Verursacher von Konflikten, Charakterschwächen oder Leistungsdefiziten. Gleichzeitig gibt es die weit verbreitete Auffassung, dass eigentlich jeder irgendwie mit irgendwas hoch begabt ist – man müsste es nur herauskriegen, zulassen, entwickeln. Und dabei habe der IQ praktisch keine Bedeutung.

Mein Ziel für die wirklichen Hochbegabten ist also, dass sie selbst sich mehr wissenschaftlich fundiertes Wissen über diesen wesentlichen Faktor ihrer Persönlichkeit aneignen und dann zur Verbreitung dieses Wissens in der Öffentlichkeit aktiv beitragen. Dazu gehört natürlich auch, dass sie bereitwillig Auskunft geben über ihre eigenen Erfahrungen mit ihrer Begabung. Also - diese auch als Fakt akzeptieren. Dazu kann und will ich beitragen und dafür will ich weitere Partner gewinnen. Gut, dass Du schon dazu gehörst.

Deine beiden ersten Fragen können nur gemeinschaftlich beantwortet werden. Über „unser Ziel“ sind wir beide schon im Dialog. Wir werden darüber immer wieder weiter diskutieren. Für den Anfang hast Du das sehr schön als Einleitung für diesen Blog formuliert: Miteinander ins Gespräch kommen über „was man wollen kann“. Mit „man“ sind in unserem Zusammenhang ja nicht nur die Hochbegabten gemeint. Um herauszubekommen, was sie sich wünschen, was alles sie „wollen können“ brauchen wir den Dialog. Nein: Dialog ist zu wenig, „Multilog“ wäre besser. Wie kriegen wir das hin? Dein Vorschlag: Mit Hilfe einer empirischen Studie.

So wie Du könnte auch ich mir die ersten Schritte vorstellen: Ein Forschungsdesign entwickeln und dann erst einmal fragen und zuhören. Informationen sammeln. Auswerten. Analysieren. Präsentieren. Zur Diskussion stellen. Und, wenn wir uns auf die wesentlichen Ziele geeinigt haben: Szenarien entwerfen. Und dann los.

Wir werden entweder eine Flut unterschiedlichster Gedanken, Wünsche, Ziele erhalten oder eine kleine Zahl ganz eindeutiger gemeinsamer Absichten – ich bin gespannt. Denn die Frage was wohl geschehen würde, wenn die Probleme der Welt von Hochbegabten gelöst würden, hat ja schon zu vielen heißen Diskussionen geführt und war die zentrale Gründungsidee von Mensa, dem internationalen Verein der Hochbegabten.[1]

Du fragst Dich (und mich) wieder einmal: Welches Image hat Hochbegabung?
Kann es wirklich sein, dass viele erwachsene Hochbegabte ihre Talente ablehnen?

Ja, nach meiner Erfahrung kommt das sogar ziemlich häufig vor – bei denen, die diese Begabung haben. Andere (mit weniger Talenten und ohne Hochbegabung) hingegen hätten sie gern, und dichten sie sich selber an. Paradoxerweise lassen sich die wirklich hochbegabten Erwachsenen sehr leicht von moralisierenden Bescheidenheits-Mahnern verunsichern und zweifeln ständig an sich selbst, während die selbsternannten und in Wahrheit nicht Hochbegabten von derartigen Ermahnungen und Selbstzweifeln in der Regel unberührt bleiben.

Wer aber sind die Moralhüter, die von anderen Demut, Bescheidenheit, ja Selbstverleugnung verlangen? Liebe Lilli, Du weißt es auch, weil Du es mehrfach selbst erlebt hast: Das sind nicht nur die bigotten oder intoleranten (Lehr-)Amtsinhaber der ganz alten Schule. Nein, das sind häufig auch „die anderen Hochbegabten“. Ich bin immer wieder überrascht und erschrocken, wenn mir diese Form der Rechthaberei bei hochintelligenten Menschen begegnet. Andererseits ist dies nur ein weiterer Beweis dafür, dass Intelligenz und Charakter zwei verschiedene Sachen sind. Aus Furcht davor, für arrogant gehalten zu werden, seine Fähigkeiten verleugnen? Nein, genau das kann Hochbegabten nicht helfen, den eigenen Weg zu sich selbst zu finden!

Deshalb glaube ich auch, dass wir in dem von Dir erträumten „Dorf“ dringend die Hilfe von Experten wie etwa Soziologen, Psychologen, Coaches, Pädagogen, Theologen usw. brauchen, wenn von Hochbegabten aus allen Berufsgruppen wirklich etwas Sinnvolles entstehen soll.

Auch dann noch bleibt reichlich Potenzial für die Marke „Fortschritt durch Konflikte“.
Stimmt: Ich könnte meine helle Freude daran haben. Denn viele Hochbegabte gleichzeitig am gleichen Ort – das gibt Stoff für viele wissenschaftliche Studien! Und es wird eine grandiose Herausforderung für die eigene Konflikt- und Stress-Toleranz!

Der Aphorismus von Sir Peter Ustinov: „Ich bin sehr glücklich – weil ich oft im Leben die Möglichkeit zum Unglücklichsein hatte und sie einfach nicht angenommen habe“ könnte das grundlegende Forschungs- und Trainingsprogramm für ein solches Projekt sein.

Das Ergebnis könnte dann wohl werden: „Ich bin sehr glücklich – weil ich oft im Leben die Möglichkeit zum Glücklichsein hatte und sie einfach angenommen habe.“  

Du fragst: Was können wir tun für das Image der Hochbegabung? Auch ich meine: gemeinsam sehr viel. Und ich fange noch etwas bescheidener an als Du: Zunächst sollte jeder einzelne Hochbegabte sich dazu durchringen, das „Wunder“ dieser Gabe (denn das ist es!) als Realität anzuerkennen. Dabei kommt es darauf an, eine realistische Bewertung zu meistern. Also nicht überbewerten und mit Genialität gleichsetzen – aber auch nicht abwerten und zur unbedeutenden, zur vernachlässigenden Randerscheinung erklären. Und vor allem: Nicht mit dem Wert der Persönlichkeit gleichsetzen!

In diesem Zusammenhang denke ich immer wieder gern mit Erich Fromm: Es ist etwas anderes, eine Hochbegabung zu haben, als hochbegabt zu sein.[2]
Und um das zu verstehen, ist Selbsterfahrung der sinnvollste Weg – aber er ist mühsamer als nur die Summe der erinnerten Erfahrung zu reproduzieren. Auch hierbei kann Erich Fromm hilfreich sein.[3]

Wenn das gelingt, wird es auch leichter, den Nutzen der Hochbegabung für die Menschen aufzuzeigen. Denn der besteht meiner Meinung nach nicht so sehr in vermeintlichem „besser wissen“ (also bezahlter oder unbezahlter Ratgeberfunktion), sondern eher darin, dass schneller, komplexer, detaillierter gedacht wird und damit nachhaltigere Lösungsvarianten für zahlreiche Probleme früher als bisher gefunden werden können. Innovation beginnt ja bekanntlich mit Ideen, die man erst mal haben muss. Beratung ist dann eher die Verbreitung der Ideen. Dafür muss man nicht unbedingt hochbegabt sein. Aber es hilft sehr, wenn man die Ideen richtig verstanden hat – und nicht meint, sie erst mal auf „normal“ schrumpfen zu müssen ehe sie für andere verwendbar werden. Also: Vertrauen haben

Und dann die „Kritische Masse“ arbeiten lassen. Diese kritische Masse scheint sich gerade zu entwickeln: Mensa in Deutschland e.V.  hat gerade die magische Mitgliederzahl von Zehntausend (10186 im April 2012) überschritten, immer mehr Menschen engagieren sich in Fördervereinen und Stiftungen zur Begabungsförderung und Deutschland wird von Bildungs- und Wissenschaftspolitikern oft mahnend als das „Land der Ideen“ präsentiert. Damit meinen sie, wir sollten an unsere Tradition als Land der Dichter und Denker anknüpfen und sie beziehen sich dabei gern auf technische und technologische Spitzenleistungen. Mit den gesellschaftlichen Reformen geht es eher schwerfällig und ungeschickt voran. Aber genau das ist eben durch die kritische Masse zu ändern! Wenn wir endlich aufhören, uns über mangelnde Akzeptanz einer scheinbaren Randgruppe zu beklagen und wirklich alle dazu übergehen, jedes Talent dort zu fördern und zu nutzen, wo es vorhanden ist, dann lässt sich die Hochbegabung vom Makel der elitären Absonderlichkeit ganz schnell reinigen.


Wenn wir zwei also mal wieder darüber philosophieren wollen, wie sich das Image der Hochbegabung bis zum Jahr 2022 gewandelt haben wird, kommt mir der Gedanke, dass sie dann gar kein besonderes Image mehr braucht: Sie wird (ich hoffe es sehr!) als so „normal“ gelten, wie sie ist. Schließlich sind wir alle schon heute gleichzeitig Mitglieder der verschiedensten ehemaligen „Randgruppen“ z. B. gleichzeitig Frauen, Mütter, Akademikerinnen, Best Agers, Autorinnen, Verkehrsteilnehmerinnen, Kundinnen, Bloggerinnen, Partnerinnen, Freundinnen, usw. – die heute alle schon keine Randgruppen mehr sind. Und das wird so weitergehen und auch die Hochbegabung erreichen. Je mehr die Menschheit über den Menschen weiß, umso weniger brauchen wir die heute noch übliche Vermessung des Menschen in statistisch begründeten Kategorien. Dann können wir jeden so akzeptieren wie er ist und jeder kann mit dem was er ist auch nützlich für alle sein.

Und ehe jetzt vielleicht bei unseren Lesern ein Proteststurm ausbricht:
Das hat uns Albert Einstein gesagt: „Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vorn herein ausgeschlossen erschien.“ Und Du zitierst ja auch David Ben-Gurion: „Wer nicht an Wunder glaubt, der ist kein Realist.“

Hoffentlich gibt der Sommer recht vielen unserer Leser und auch uns wieder einmal Gelegenheit, das Verhältnis zu sich selbst, zu den anderen und vielleicht auch zum Thema Hochbegabung zu überdenken. Erholung und Entspannung kann sich ja auch beim Denken einstellen, denn: Wohlbehagen ermattet den Geist, Schwierigkeiten erziehen und kräftigen ihn. Francesco Petrarca, Italienischer Dichter *20-Jul-1304, † 18-Jul-1374


Ich wünsche Dir angenehme Denk-Aufgaben, schöne Sonnentage und viel Erfolg bei allem was Dir und uns bevorsteht. Und ich freue mich auf Deine nächsten Gedanken.

Lass es Dir gut gehen, wann immer Du kannst.
Deine
Karin





[2] Erich Fromm: Haben oder Sein: Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft  1976. ISBN 3-423-36103-4
[3] Erich Fromm: Vom Haben zum Sein: Wege und Irrwege der Selbsterfahrung, Ullstein, 2005. ISBN 3-548-36775-5